Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 5 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 In die Seele mußte scheinen Weggeweht ist all der Jammer, Liebesglanz von Jesu Christ, Der auf meinem Kerzen lag, Und vor Freuden mußt' ich weinen, Und zurückgekehrt zur Kammer, Weil mein Gott so gnädig ist. Schließ' ich fröhlich diesen Tag." Beim Missionsfest am pfingstdienstag, welches teils innerhalb, teils außerhalb einer prächtig gelegenen Rlosterruine gefeiert wurde, kam vormittags die Heidenmission, nachmittags die Judenmission an die Reihe. Der Vertreter der letzteren sprach zuerst von dem bedeutsamen Punktum zwischen Rom. 8 und Rom. 9- Dort der Triumphgesang des Glaubens: hier — nach dem Punkt, d. h. nachdem Paulus in tiefster Betrachtung still gestanden, — der Abstieg von höchster Freude zu tiefstem Leid. „Paulus, ein christusgläubiger Israelit, ist selig: seine Landsleute gehen ins verderben. Das möchte ihm das Herz brechen. Darum, obwohl zum Apostel der Heiden berufen, sagt er, wohin er kommt, den Rindern Israels zuerst: „Den euch die Propheten geweisiagt, er ist erschienen." Und ob Israel noch nicht zu seinem Heiland kommt, ob ihm die Heidenwelt zuvorkommt: wenn ihre Fülle ins Reich Gottes wird eingegangen sein, wird auch Israel, von heiliger Eifersucht ergriffen, herzueilen und selig werden. Das ist die Hoffnung, die der Geist Gottes ihm ins Herz gegeben." hierauf fragte der Redner: „Wie sollen sie aber selig werden ohne Glauben? Wie sollen sie glauben ohne predigt? Wie soll die predigt der Christen unter den Juden wirken, wenn sie nicht durch leuchtende Zeichen des Christenlebens unterstützt wird?" Wenn man uns von jüdischer Seite feindselig begegne, so solle man sich daran erinnern, daß der Heiland Feindesliebe verlange. „In den Tagen des h. Bernhard war das Lhristenvolk geneigt, alles erlittene Unheil den Rindern Israels auf die Rechnung zu schreiben. Eine Verfolgung der Juden brach aus. Tausende wurden gemordet oder zu erheuchelter Taufe getrieben. Da trat der h. Bernhard gegen solch unheiliges Treiben auf. „Wie stimmt euer Judenhaß," so rief er den Christen zu, „mit dem Gebet der Rirche für die Juden, euer eigenes wucherisches Treiben mit der Wut gegen die jüdischen Wucherer, euer Morden der Rinder Israels mit der Gottesverheißung von ihrer Seligkeit? Nicht verfolgen sollt ihr die Juden, sondern bekehren!" „Das sei auch mein Ruf," sagte der Missionar. „Gedenkt ihrer Gnaden und Gaben, mit denen Gott sie überschüttet, der Berufung Abrahams, der Gesetzgebung Moses, der Verheißung der Propheten, der Geburt des Heilandes von der Davidstochter — wird euch das Herz nicht in Liebe warm? Gedenkt auch ihrer Sünden und Gebrechen, ihrer List und Gier, ihres Ganges am Besitz und ihrer Verknöcherung in dem äußerlichen Gottesdienst — wird euch das Herz nicht in Mitleid weich? Gedenkt ihrer Tugenden und Vorzüge, ihrer Sabbathfeier und ihrer Familienliebe — wird euch das Herz durch solche Treue nicht gerührt? Gedenkt der Verfolgungen, die sie erlitten, der Schmach, die sie getragen auch durch Schuld der Christen — wird euch das Herz nicht uin des Unrechts der Christen willen beschämt? Gedenkt der Schwierigkeit, zu glauben, welche die Christen umher ihnen bereiten — wird euch das Herz nicht bewegt zur