Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 5 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Ur. 5. _ 47. Jahrgang. — 1891. Inhalt: Line pfingstfeier im Hessenlande. — Am Ziel! — Im Lande Immanuels. — Kleine Missionrzeitung II. — Empfangsbescheinigung. Eine Pfingstfeier im Hessenlande. 2n der „Christoterpe" von (5< 205 ff.) erzählt Generalsuperintendent O. Baur tu seiner bekanntet: gemütvollen Weise von einer lieblichen ländlichen Leier des Pfingstfestes, wir heben ans seinen Schilderungett diejenigen hervor, die auf die Judenmission Bezug nehmen. Am Vorabend des Festes trafen im pfarrhause eines hessischen Dorfes 2 Gäste ein, Missionare, von denen der eine lange in Afrika gearbeitet hatte, der andere aber dazu berufen war, mitten in der Christenheit, die ihn wenig unterstützte, die Jude:: zu Christo zu führen. Die beiden Männer sollten am 5. pfingsttage bei einem Missionsfest in der Nachbarschaft predigen, zuvor aber hier in ländlicher Stille den Anfang des Pfingstfestes verleben. Die Einladung der Missionare seitens des Grtsgeistlichen war in der Hoffnung erfolgt, die Gemeinde werde durch das Zusammenwirken ihres Pfarrers mit den Heilsboten für Israel und die Heiden ein Pfingstfest feiern, das aus der Christenheit in die durch den Geist zu erneuernde Völkerwelt Hinausweise. Am Morgen des ersten Festtages machte der Judenmissionar einen Gang durchs Dorf und kam dabei ins Gespräch mit einem jüdischen Ladenbesitzer. Er bedauerte Israel, daß es auf Pfingsten nicht mehr nach Jerusalem wandern könne und doch an dem Pfingstfest, welches der Messias allen Völkern gebracht habe, nicht teilnehme. Der Jude wollte über die Frage, ob der Messias gekommen sei, nicht streiten. Er meinte, an Gesetz und Propheten, Buße, Gerechtigkeit und Gebet genug zu haben. Doch bezeugte er seine Achtung vor der christlichen Religion. Am Frühstückstisch rühmte der Pfarrer die Aufrichtigkeit dieses jüdischen Krämers und berichtete, daß derselbe hin und wieder mit ihm gesprochen, ihm auch eine Gabe für eine christliche Rettungsanstalt gebracht habe. Eigentliche Bekehrungsversuche hatte der Geistliche vermieden in der Furcht, daß der Mann sonst zurückweichen würde. Auch der jüdischen Kinder, welche die christliche Grtsschule besuchten, wurde gedacht. „Ls ist mir oft rührend," sagte der Pfarrer, „daß die Iudenkinder im Religionsunterricht sitzen bleiben, auch bei Fragen aus dem Neuen Testamente lebhaft antworten und mitsingen: „Laßt mich gehen, daß ich Jesum möge sehen!" Wie mag wohl der Heiland dies Kinder-Hosianna anhören?" Mit der predigt, die nun bald begann, war nach hessischer Ordnung die Konfirmation und die erste Abendmahlsfeier der aus der Schule tretende:: christlichen Kinder verbunden.