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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 4 (1891) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
4 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3{ die ev. Sonntagsschule des Dorfes, in welchem ihre Familie die einzige jüdische war. Auch später verkehrte sie mehr mit Christen als Juden. Nach dem Tode der Eltern lernte sie bas ev. Diakonissenwesen kennen und lieben. Da sie mündig war, stand ihrem Wunsch, Christin und Diakonissin zu werden, nichts entgegen. Bei der Taufe in der Kapelle des Diakonissenhauses gab sie auf die Frage nach ihrem einigen Trost im Leben und Sterben die Antwort mit dem Heidelberger Katechismus: „Daß ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin rc." hierauf folgte das Apostolische Glaubensbekenntnis. Nach der Taufe empfing sie das h. Abendmahl. Dann wurde sie der Oberschwester und der Probemeisterin, die sie Ln die Kapelle geführt hatten, als Diakonissin in die Dorprobe übergeben, (vgl. Missionsbl. des rh.-westf. v. f. I. *890, Nr. 9 u. **.) — Die Diakonissenstationen im Morgenlande wurden nach dem *9. Bericht über dieselben (Kaiserswerth, 86 S.) auch in den letzten Jahren vielfach von Juden in Anspruch genommen. In Jerusalem befanden sich *889 im Krankenhause auf dem Berge Zion *0 unter 350 Kranken. In demselben Jahr nahmen die Krankenhäuser zu Alexandrien und Kairo 75 unter *092, bezw. *2 unter 272 Kranken auf. Einer der jüdischen Pfleglinge in Alexandrien, der 56 Tage in Behandlung war, 'verwandte im Hospital viel Zeit auf das ihm überreichte hebräische Neue Testament und bat, dasselbe mitnehmen zu dürfen. Daß er dann auch zu Hause in diesem Buch gelesen und es andern vorgelesen habe, erfuhren seine christlichen Freunde von einem anderen Israeliten. Dieser wünschte bei seiner Aufnahme in das Hospital dasselbe heilige Buch zu lesen. Das Diakonissenlehrhaus in Smyrna wurde *889 von 75, darunter *9 jüdischen Kindern besucht. Auch Bukarest und Florenz werden in dem oben genannten Bericht berücksichtigt. Im Bukarester Pensionat befanden sich *889 6, in der Elementar- und der Filialschule 56, im Diakonissenlehrhaus zu Florenz *2 jüdische Mädchen. Eins der letzteren nimmt auf eigenen und der Eltern Wunsch am evang. Gottesdienst teil. Jüdische Chronik II. Am 7. Januar hielt der antisemitische Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg auf Veranlassung des deutsch-sozialen Vereins zu Breslau in einem hiesigen Saale einen Vortrag, in welchem er die Juden für die Schäden der Gegenwart verantwortlich machte. Davon, daß sich die Christen vielfach an den Juden versündigt haben, war nicht die Rede. Auch in anderen schlesischen Städten erwarb L. Freunde für das Bochumer deutsch-soziale Programm. — In Stuttgart traten Redakteur Gültingt und Schriftsteller Welcker in einer antisemitischen Versammlung als Redner auf. — Die österreichische Regierung genehmigte die Zwölf-Millionenstiftung des Barons pirsch zur Förderung des jüd. Schul- und Handwerksunterrichts in Galizien und der Bukowina. — Ueber die Verhältnisse der Israeliten in Portugal hat ein mit diesem Land durch wiederholten Aufenthalt daselbst bekannter Herr die Güte, uns folgendes zu berichten: „Moderne Juden, namentlich deutsche, sind in Lissabon und Oporto sehr zahlreich. Dieselben sind zumteil Inhaber großer Geschäfte oder Angestellte. Sie haben oft die Neigung, ihre Namen zu ändern, weil die Portugiesen von Natur mißtrauisch sind und nicht gern von Leuten kaufen, welche Levy, Lohn u. s. w. heißen, wenn der Name keinen Anstoß erregt, so leben die Israeliten in Portugal angenehmer als in Deutschland, weil es hier wenigstens keinen antisemitischen Pöbel und keine abgeschmackten Hetzereien giebt. Ich habe mit einigen jüdischen Bekannten in recht freundschaftlichem Verkehr gestanden. Die Feste werden meistens innerhalb der Familien gefeiert. Daß die deutschen Israeliten in Lissabon und Oporto die Synagogen besuchen, habe ich nie gehört. Wohl aber kann ich bezeugen, daß drei meiner jüdischen Bekannten einmal bei Gelegenheit der Taufe meines Patchens an dieser kirchlichen Handlung zur großen Verwunderung des Herrn Pastors Bindseil teilnahmen. Nachkommen der vor Jahrhunderten aus Portugal vertriebenen und in Afrika (Marokko) ansässig gewordenen Israeliten, welche drüben in den Küstenstädten den Handel beherrschen, sieht man häufig in gelben Lederxantoffeln durch die Straßen ziehen oder sich an Sonnabenden mit einigen europäisch gekleideten Glaubensgenossen in der Nähe einer der 3 Synagogen Lissabons aufhalten.

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