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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 4 (1891) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
4 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 Der geheilte Arft. Zu Läsarea in Kappadozien lebte zu der Zeit, als Basilius der Große in jener Stadt ein Lehrer und treuer Pfleger der Gemeinde des HLrrn war, ein Jude mit Namen Joseph, der in der Natur- und Arzeneikunde so tiefe Einsicht und große Erfahrung besaß, daß ihm hierin kein anderer Arzt des Landes zu vergleichen war. Unter anderm hatte dieser Joseph eine so sichere Voraussicht des Ausgangs der Krankheiten, daß er, wenn er zu unheilbaren Kranken gerufen wurde, aus den Bewegungen des Pulses und anderen Zeichen die Zeit des Todes auf eine unfehlbare Weise 3, ja, 5 Tage vorher bestimmte. Mit diesem naturkundigen Arzt pflegte Basilius, der in seiner Jugend selbst \5 Jahre in Athen der Philosophie und Naturkunde fleißig obgelegen, öfters Gespräch und Umgang zu halten. Ja, die beiden, obwohl verschiedenen Glaubens, liebten sich als Freunde, und auf dieser Liebe ruhte der Wunsch und die gläubige, feste Hoffnung, welche Basilius öfters gegen Joseph aussprach, daß, noch ehe Gott einen von ihnen aus dem Leben abfordere, Joseph Jesum, den Gekreuzigten, als seinen HErrn anerkennen und die Taufe empfangen werde. So oft aber Basilius diese Hoffnung äußerte, erwiderte der Hebräer jedesmal, sie werde nie in Erfüllung gehen, denn er gedenke in dem Glauben seiner Väter zu leben und zu sterben. Und wenn dann Basilius mit aller Kunst der Rede und mit aller Kraft der Liebe sich bemühte, seinem Freunde zu beweisen, daß Christus der Geschichte Anfang und Ende, der Völker Sehnen und Hoffnung und des Gesetzes Erfüllung sei, so blieb doch Joseph unbewegt, und sein Ghr war allen seinen Reden verschlossen. Nach diesem geschah es, daß es mit Basilius zum Sterben kam. Als nun derselbe sein Ende ganz nahe fühlte, sandte er zu Joseph, als wollte er ihn wegen seiner Leibesschwachheit um Rat fragen. Der Arzt kam, betrachtete den Sterbenden und fühlte seinen puls. Basilius fragte lächelnd: „Sage, was meinst Du wohl zu meiner Krankheit?" Joseph aber, tief bewegt, wendet sich zu den umstehenden Freunden und sagt: „Bereitet Luch und schaffet herbei, was Euch nötig scheint, denn sein Ende ist vorhanden." Da sagte Basilius: „wie? Sollte ich nicht am Leben erhalten werden können bis morgen?" Der Arzt erwiderte: „G Herr, das kann nicht geschehen. Ls wird heute eine Sonne mit der andern untergehen. Basilius wird den künftigen Morgen nicht mehr schauen. Darum, wem: mein Herr noch irgend eine Anordnung für seine Kirche oder für die Seinigen zu treffen hat, so möge er eilen, denn über eine Stunde wird er nicht mehr lebend sein." Darauf sprach der Sterbende: „wie aber, wenn ich noch bis morgen mittag lebte?" Joseph, in der Sicherheit seiner Kunst, antwortete: „Dann wollte ich sterben!" „Ja," sagte Basilius, „sterben sollst Du der Sünde des Unglaubens und leben dem HLrrn Jesus, der zur Rettung auch Deiner Seele ein Mensch geworden und am Kreuz gestorben ist." Der Hebräer erwiderte: „Nun wohl, mein Herr, wenn dieses zu Deiner Beruhigung dient, so gelobe ich Dir, daß ich, wenn Dir Dein

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