Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 4 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 ist charakteristischer für sie, als die seltene Gabe, die Eingebungen eines weiblichen Gemüts mit klarer Verständigkeit und einer, man darf sagen, männlichen Willenskraft durchzuführen, nie eigenen Neigungen zu Liebe, sondern um der Sache willen, die sie als eine gute erkannt hatte. Ihr war es eine wichtige Angelegenheit, daß die jüngere Generation der königlichen Familie mit der zeitgenössischen Jugend in vollere Berührung kam, als es früher der Fall war. Darum war sie es, welche alles daran setzte, daß der Prinz Friedrich Rarl eine deutsche Universität besuchte, was damals noch gegen die Tradition des Dauses war, um dadurch für den Vetter einen Vorgang zu gewinnen. Bei der Erziehung des älteren Prinzen wurde es noch als Grundsatz festgehalten, daß zu diesem Amte nur ein geborener Preuße gewählt werden dürfe. Als es sich um den eigenen Sohn handelte, wußte sie es durch ihre Entschlossenheit durchzusetzen, daß man diese Beschränkung fallen ließ, und sie hat dafür gesorgt, daß er schon bei jungen Jahren in deutschen Lebenskreisen außerhalb Preußens heimisch wurde. So steht alles, wofür sie thätig war, in einem wohlüberlegten Zusammenhänge. Es war keine ungeduldige Neuerungssucht, kein Geist des Widerspruchs, sondern das aufrichtige Streben, in zeitgemäßer Weise weiteren, freieren Anschauungen Eingang zu verschaffen, und die Gedanken, welche sie so kräftig vertrat, stammten aus einem Mutterherzen. So hat sie es auch für ihre Aufgabe als Fürstin gehalten, diejenigen Landesteile und die Teile der Bevölkerung, von denen sie annehmen zu müssen glaubte, daß sie vielleicht mit weniger Sympathie und weniger innerem Verständnisse vom Staate behandelt würden, zu einem besonderen Gegenstände ihrer Aufmerksamkeit zu machen; denn sie hatte auch da, wo sie eigene Wege ging, immer das Vaterland im Auge, indem sie ihre Stellung zu benutzen suchte, überall vermittelnd, versöhnend, ausgleichend einzutreten, damit nur niemand das Gefühl habe, verabsäumt zu werden oder bei Seite zu stehen. Bei einer Fürstin, der es ein Bedürfnis war, unablässig wirksam zu sein und alles, was sie that, mit vollbewußter Absicht zu thun, konnte es nicht fehlen, daß sie manchem hie und da zu weit zu gehen schien; aber es gehört durchaus zu einer gerechten Würdigung ihres Charakters, daß wir die Quelle und die innere Triebfeder nie aus den Augen lassen; das war ein warmes Frauenherz und eine echt nationale Gesinnung." Bei dieser Gelegenheit gedenken wir jenes im Sommer \8tyO von der „Täglichen Rundschau" veröffentlichten und vielbesprochenen, wie es aber scheint, echten Briefes der verewigten Fürstin an Frau v. Bonin. In demselben heißt es: „Ich mißbillige den Antisemitismus, weil er eine durch und durch unchristliche Erscheinung ist. wir schädigen durch ihn unser Ansehen und bringen: uns in den Verdacht religiöser Unduldsamkeit. Wo bleibt denn die Möglichkeit, auch nur noch einen einzigen Juden dem Christentum zuzuführen? Und zählt denn nicht zu den christlichen Vereinigungen auch die Juden Mission? Damit ist es vorbei, und vollends entrückt sind wir dem Ausblick auf die Zukunft, die nach neutestamentlicher Verheißung für den Linen Wirten Line Herde haben soll."