Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 3 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 sagte: „Er wurde um unserer Sünde willen verwundet"?" Ältere Personen kamen darüber zu. B. legte nun auch ihnen diese Frage vor, und einer wiederholte sie den übrigen. Aber die Antwort blieb aus. Am folgenden Sonnabend erwarteten ihn nicht weniger als neun Knaben, von denen einige ihn um Bücher baten. Sein Gespräch mit denselben, die teils vor ihm her, teils zu seiner Rechten nnd Linken gingen, drehte sich um die frohe Botschaft: „Unser Heiland ist der von den Juden erwartete Messias." Die Knaben versprachen ihn zu besuchen, und wirklich erschienen bald einige in seiner Wohnung. (Zwei wiederholten ihren Besuch sehr oft. Einmal baten sie, der Missionar möchte ihnen Jes. 53 erklären.) Andere begrüßten ihn freundlich, als er 8 Tage später wieder an der gewohnten Stätte sich sehen ließ. Auf ihren Wunsch erhielten sie zwei christliche Bücher, die sie nun, weitergehend, in der Hand trugen. Dies erregte die Aufmerksamkeit eines Erwachsenen, der philosophisch angelegt zu sein schien. B. redete mit demselben von dem Entschluß des Apostels Paulus, nichts zu wissen außer Lhristo, dem Gekreuzigten.- Obwohl das Evangelium den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Thorheit gewesen sei, habe es sich anderen als Gottes Kraft und Gottes Weisheit erwiesen, während jener sich wieder entfernte, blieben die Knaben noch länger bei ihm. Liner von ihnen wünschte etwas über die Art des Todes Thristi, bei welcher ja der göttliche Fluch zu Tage trete, zu erfahren. Lin anderer erkundigte sich, ob. ein Thrist vor seinem Tode das h. Abendmahl empfangen müsse. Lin Knabe erzählte, ein früherer Missionar habe manchmal bei seinem Vater gespeist. — Linern alten Spaziergänger wünschte B. einen guten „Schabbes". Der Israelit rühmte eine predigt, die er am Morgen des Tages von einem Rabbiner in Altona gehört hatte. Die Lutherische Übersetzung des Textes Micha 6, 8 leitete zu der Klage über, daß viele Juden den Talmud dem Worte Gottes vorziehen. Dann wurden verschiedene Schriftstellen zum Beweise für die Messianität Jesu beigebracht: Zer. 23. \. Mose V- Haggai 2. Mal. 3. Dan. 9» Eine Frau, die mit ihrem Kinde desselben Weges ging, wurde veranlaßt, sich an diesem Gespräch zu beteiligen. — Auf einer Bank saßen zwei Frauen. Im Vorbeigehen hört B., wie die eine sagt: „wir wurden gefragt, wohin sie gehe." Älsbald kehrt er um und wendet sich an die beiden Jüdinnen: „wenn Sie mir erlauben, möchte auch ich Sie fragen, wohin Sie gehen: in den Fimmel oder in die Hölle? Ls giebt nur zwei Wege. Man muß entweder auf dem einen, oder dem andern gehen." Natürlich überraschte diese Frage sehr. Als B. weiter sprach, stand die eine der beiden Frauen auf und entfernte sich. Die andere blieb sitzen und hörte ihn ruhig an. — „Das ist ein Missionar!" ries ein Jude, als B. einer Gruppe von 5—6 Männern und Frauen die Frage vorlegte: „Was denken die Hamburger Israeliten von dem Messias?" Der kluge Entdecker und seine Frau gingen sofort weiter. Von den übrigen gab einer zur Antwort: „Wir glauben, was unsere Vorfahren vor \000 Jahren geglaubt haben." „Aber manche deutsche Juden," versetzte B., „verstehen unter dem Messias nur gute Zeiten: keine Linzelpersönlichkeit.