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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 2 (1891) · page 4

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Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
2 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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scheiden und erkannte die Nothwendigkeit einer Reform. Er meinte, der jüdische Gottesdienst muffe sich nach dem christlichen gestalten. Mehrere seiner Verwandten nahmen an seiner Denkweise Anstoß. Er versprach dann Besserung, aber es blieb doch beim alten. Strafte ihn sein Gewissen wegen seiner Sünden, so tröstete er sich mit dem Gedanken, an den nächsten Versöhnungstag und die mit demselben zu erlangende Vergebung, oder er betete auch aus dem Kerzen um die letztere. Doch fand er die wahre Freiheit nicht und konnte darum nur mit Furcht an Tod und Ewigkeit denken. Sein Herzensacker wurde für den Samen des göttlichen Wortes noch mehr zubereitet teils in den Religionsgesprächen mit Christen, bei denen allerdings oft die Unkenntnis derselben zu Tage trat, teils in den kirchlichen Gottesdiensten und häuslichen Bibelstunden, an denen er teilnahm, teils endlich durch einen Bibelboten, von ^dem er i. 3. ^860 ein hebräisches und dann auch ein deutsches Neues Testament kaufte, und dem er versprechen mußte, Gott um Offenbarung des rechten Weges zu bitten. Nützt es nichts, so schadet es auch nichts, dachte er, als er nun jeden Abend Psalm 3^, \7 sprach. Indessen wurden die Testamente bald wieder verschlossen, und der junge Mann lebte wie früher in den Tag hinein. Die weltliebe machte ihn sogar lieblos gegenüber seiner Mutter. Da. fragte ihn im Februar ^86J ein altreformierter Bauer, ob er denn noch Jude bleiben könne. „Warum denn nicht?" lautete die Gegenfrage. Jener wies nun auf den Verfall der jüdischen Religion hin und stellte der Hoffnung der Israeliten auf die Rückkehr in das irdische Kanaan seine Zuversicht auf die Aufnahme in das himmlische Kanaan gegenüber. Wer wahrhaft bekehrt sei, wisse, daß er in den Fimmel komme. Bekehrt wollte, auch Llieser sein, doch gelang ihm der Beweis dafür nicht. Die „Seelengeschichte" des frommen Landmanns rührte ihn. Auch der altreformierte Geistliche, Vr. Moolhuizen, predigte ihm Christum. Der Umgang mit diesen und anderen wahren Christen überzeugte ihn davon, daß er als Jude keineswegs über denselben stehe. Er betete nun ernstlich ps. \S und die vorgeschriebenen Gebete, las lange Abschnitte der Bibel und versuchte sich zu bessern. Aber im Thun fand er kein Heil. Ies. 6^, 6 kannte er nicht. Die rabbinischen Auslegungen der messianischen Weissagungen verschafften ihm keine Befriedigung. Als ihn ein christl. Tagelöhner mit Ies. 53 bekannt machte, hielt er dies Kapitel zuerst für eine Einschaltung oder die Uebersetzung für gefälscht. Zu Hause fand er den Abschnitt zu seinem Erstaunen auch in der hebräischen Bibel. Diese Weissagung, die er bis dahin nie zu Gesicht bekommen hatte, ergriff ihn mächtig. Sie war ihm am verständlichsten, wenn er sie auf Iesum bezog. Zu weiterem Licht verhalfen ihm Mose d, ^0; 5. Mose \S, pf. 2 u. U0, besonders aber Dan. 9- Am Ostermontag, auf welchen zugleich der vorletzte Tag des paffahfestes fiel, hörte er vormittags eine predigt über Ioh. 20, ^—\7, in welcher das Glück, einen lebendigen Jesus zu besitzen, geschildert wurde. Auch nachmittags konnte er zu seiner Freude die Kirche besuchen und Härte da von dem Zu-

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