Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 2 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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u Ihrigen zu pünktlicher Erfüllung der religiösen Pflichten an. Bald mußte Eliser mit in die Synagoge gehen und neben der gemischten städtischen Elementarschule den Theder, die jüdische Religionsschule, besuchen. Dabei lernte er die christliche Religion verachten und wuchs in der Feindschaft gegen ihren Stifter auf. Wenn der Name Jesu in der Stadtschule beim Lesen vorkam, überging er ihn einfach. In einem Streit mit einem christlichen Knaben erklärte er, er hätte Jesu noch größere Oualen bereitet als seine Vorfahren, wenn er bei dessen Kreuzigung zugegen gewesen wäre. Dennoch trieb ihn, der sich schon früh mit seiner Mutter gerne über Gott, Tod und Ewigkeit unterredete, die Neugierde dazu, das Neue Testament zu lesen. Dies geschah zuerst im Hause eines christl. Nachbarn, dann mit der Erlaubnis des letzteren auch in der mütterlichen Wohnung, wo er das Buch sorgfältig verbarg und meistens am frühen Morgen beim Erwachen las. Aber dasselbe machte auf ihn keinen Eindruck. Seinen Inhalt hielt er größtenteils für Dichtung. Nach Vollendung des (3. Jahres wurde Elieser Bar-Mizwa, d. h. in Religionssachen für mündig erklärt. Zum Studium des Talmud, wozu sich ihm Gelegenheit bot, verspürte er keine Neigung, besuchte aber noch eine Zeitlang die öffentliche Abendschule. Den Tag über hausierte er, wie schon vor seiner Einsegnung, innerhalb und außerhalb der Stadt, da er ein Handwerk nicht erlernen konnte. Am Sabbat ging er seinem Vergnügen nach. Im Jahr \S55 erfüllte sich sein Wunsch, einen andern Beruf zu erlangen. Er fand eine Stelle bei einem jüdischen Kaufmann in Lmlenkamp, einem Dorf der (zu Hannover gehörigen) Grafschaft Bentheim. Er sollte hier den Kindern des Dauses Religionsunterricht erteilen und daneben im Geschäft helfen. Diese Thätigkeit, die er am s. Juni begann, sagte ihm bald zu. Mit den christlichen Dorfbewohnern kam er gut aus und besprach manchmal mit ihnen religiöse Dinge. Einmal führte ihm zu seinem Erstaunen ein schlichter Schmiedegeselle eine Reihe alttestamentlicher Stellen an, um zu beweisen, daß Jesus der den Juden verheißene Messias ist. Elieser war unfähig, die gegen seine Einwände vorgebrachten Gründe des Gesellen zu widerlegen. Da die Entfernung zwischen L. und Koevorden nur 2 Stunden beträgt, konnte .er seine dort lebenden Verwandten leicht besuchen. Seine Mutter war inzwischen nach Hardenberg übergesiedelt, und auch sie suchte er hin und wieder auf. Bei solchen Ausflügen war ihm das Vergnügen die Hauptsache: selten ging er in die Synagoge. Mit manchen Ordnungen der letzteren konnte er sich nicht mehr befreunden. Warum, so fragte er sich, soll man nach dem Genuß von Fleischspeisen 2 oder 3 Stunden warten, bis man Milch trinkt? Warum ist das Entblößen des Hauptes für eineil Beter eine Sünde? Warum soll man das Neue Testament nicht lesen? Welchen Allhalt in der heil. Schrift hat das jüdische Schlachten und die Untersuchung der Tiere? Beim Nachdenkell über seine Religion lernte er zwischen dem, was von Gott, ulld dem, was von den Rabbinern geboten wird, unter-