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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 1 (1891) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
1 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 Wir wenden uns nun solchen Stellen der h. Schrift zu, in denen uneigentlich oder bildlich von Blumen geredet wird. von Gott wird in derartigen Bildern nicht gesprochen. Ob die göttliche Offenbarung in den früher erwähnten Psalmenüberschriften mit der Lilie verglichen wird, läßt sich nicht feststellen. häufig dient die Blumenwelt als Bild der Menschenwelt. Teils ist dies der Fall wegen der beiden gemeinsamen Hinfälligkeit. „Der Mensch geht auf wie eine Blume und fällt ab", Hiob 2. vgl. pf. \03, j(5, Ies. HO, 6, \. Petri 2% Jak. \0 f. Ephraims herrliche Blumenkrone ist nach Iesaia 28, \ im Welken begriffen: Samaria, die fruchtbar gelegene Bergstadt, geht dem Untergang entgegen. Teils deutet die Verwendung von Blumen auf eine reiche Ausstattung mit Gütern des Leibes und des Geistes hin. „Ich bin eine Narzisio von Saron und eine Lilie im Thal", spricht die Braut im Hohenlied (2, J), und der Bräutigam antwortet: „Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern." An die weitere Aussage der Braut (2, J6): „Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet" — knüpft Allendorfs beliebtes Lied an: „Unter Lilien jener Freuden sollst du weiden. Seele, schwinge dich empor! Wie ein Adler flieg' behende! Jesu Hände öffnen schon das Perlenthor." Auch Hosea ^H, 6 gehört hierher: „Ich will Israel sein wie ein Tau, daß er soll blühen wie eine Lilie." Für den Mittler zwischen Gott und den Menschen wird Ies. \\ bas Bild eines Sprößlings, eines Reises gebraucht, welches aus einem abgehauenen Stamm hervorwächst. Jener wurzelsproß (Zemach: Ier. 33, \5, Sacfy. 3, 8 und 6, \2) wird Frucht bringen. Gar gering sollen nach dieser Weissagung die Anfänge des Messias sein, wie er denn ja auch thatsächlich aus der, einem Baumstumpf vergleichbaren, ganz verarmten Familie Davids hervorging. Schon zur Zeit Bernhards von Tlairvaux wurde die Abstammung Jesu von Isai bildlich so dargestellt, daß aus der Brust des letzteren ein Zweig erwächst, dessen Spitze in eine Blume ausläuft, in welcher das Jesuskind sitzt. Dichterisch wird dieser Gedanke in einem nach Text und Melodie aus dem i(5. Jahrhundert stammenden Weihnachtsliede behandelt. Wir können es uns nicht versagen die ersten 3 Verse desselben vollständig hierherzusetzen: „Ls ist ein Ros' entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen: von Iesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht." „Das Röslein, das ich meine, davon Iesaia sagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd. Aus Gottes ew'gem Rat hat sie ein Uind geboren wohl zu der halben Nacht." „Das Röselein so kleine, das duftet uns so süß. Mit seinem Hellen Scheine vertreibt's die Finsternis. Wahrer Mensch und wahrer Gott, hilf uns aus allem Leide, rett' uns von Sünd' und Tod!" — In der Lutherbibel wird der Heiland bezw. seine Zeit und Herrschaft Micha H, 8 eine „güldene Rose" genannt. Allein die berichtigte Übersetzung jenes Verses lautet: „Du Herdenturm (zum Schutz der Herde erbauter Turm) von Ophel (einem Hügel) der Tochter Zion (Jerusalems), dein Schmuck wird kommen,

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