Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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deckten wänden des Tempelhauses Cherubim, Palmen und aufbrechende Blumen einschneiden. Desgleichen wurden die aus Mlivenholz angefertigten Flügelthüren am Eingang des Allerheiligsten und die aus Typresienholz gearbeiteten Thüren zum heiligen mit solchem Schnitzwerk versehen. Vielleicht stand ein Lherub zwischen 2 Palmen, über die sich Blumen in Guirlandenform hinzogen, wie das Getäfel und den Fußboden, der mit Typresienholz belegt war, so überzog man auch die Schnitzarbeit mit feinem Goldblech. Nach \. Kört. 7 waren an den Knäufen der vor dem Tempel stehenden Säulen Iachin und Boas geschnitzte Lilien (nicht Rosen, wie Luther übersetzt) zu sehen. Ferner hatte der Rand des auf \2 ehernen Rindern ruhenden ehernen Meeres die Gestalt einer aufgegangenen Blume, eines mächtigen Lilienkelches. Ebenso waren nach 2. Mose 25 Blumenbilder am siebenarmigen Leuchter iit der Stiftshütte angebracht. Aber nicht nur am Heiligtum Israels und an Geräten desselben wurden Blumen des Feldes künstlerisch dargestellt: eine solche befand sich auch vorn am Turban des Hohenpriesters über der Stirn desselben. Jene dünne Goldplatte, welche mit einer farbigen (roten oder gelben) Schnur am Turban befestigt war und die Inschrift trüg: „Geheiligt (Heiligkeit) dem HLrrn!" — glich einer goldenen Blume. Daß Aarons Priestertum herrlich erblühen sollte, wurde in der Erzählung Mose \7 von dem grünenden, blühenden und Frucht tragenden Stabe Aarons bezeugt. Von David heißt es ps. {52, ^8: „Auf ihm wird blühen sein Diadem." Dasselbe galt vom Hohenpriester. Auch beim Tempelgesang wurde man an Blumen erinnert. Die Überschriften mehrerer Psalmen (^5, 60, 69 und 80) nennen die Lilie. (Auch hier hat die gewöhnliche Übersetzung irrtümlich die Rose.) Diese Psalmen sollten nach der weise gewisser Lieder gesungen werden, in denen von der Lilie die Rede war. Entweder sind Volkslieder genreint, welche die Pracht dieser Blume schilderten, oder geistliche Lieder, welche sie zur Veranschaulichung der göttlichen Lehre oder des frommen Wandels gebrauchten. Ob der Religionsunterricht oder die geistliche Redekunst im Tempel die Blumenwelt Ium Ausgangspunkt religiöser Belehrung gemacht hat, erfahren wir nicht. Doch wird von Salomo, dem Erbauer des ersten Heiligtums, f. Kon. berichtet, er habe von Bäumen und niedrigeren Gewächsen bis hinab zum Psop, der aus der wand wächst, geredet. Und der andere Salomo, der Großeste unter allen, die den zweiten Tempel, den des Merodes, betraten, fordert die Kleingläubigen ausdrücklich auf: „Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen!" Matth. 6 und Luk. \2. Der Gott, der das vergängliche Gras so prächtig kleidet, ist, wie der Stifter unserer Kirche nachweist, erst recht darauf bedacht, seine vornehmsten Geschöpfe mit dem Notwendigen zu versorgen. Luther bemerkt zu jener predigt von den Lilien: „Wir sollen arbeiten, spinnen und nähen, aber sorgen und zweifeln sollen wir nicht . . Die Blümlein stehen da und beschämen uns und werden unsere Meister . . Dank habt, ihr Blümlein, daß ihr unsere Meister und Lehrer werdet! pfui, daß uns die Erde trägt!"