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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 1 (1891) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
1 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 Ruhe find'st du, Menschenseele, ohne seine Liebe nicht! was geschieht in neuen Tagen ist dem Auge zwar verhüllt, Doch auf allen schwebt des Rindes glanzumwob'nes Liebesbild. Ost und West und Rleid und Sprache, sie entscheiden wahrlich nicht! Bei dem Rinde finden alle seines Geistes Weltgericht. Fürchte drum nicht trotz des Dunkels und des Sturms das neue Jahr! Folge dieses Rindes Liebe: selbst der Tod wird licht und klar. Menschen werden Dich verlassen: ich weissage, wie es ist. Bleib' im Geist und in der Wahrheit! Rronen hat nur Jesus Christ. Nach p. Cassel (Sunem \8yo, S. \ f.). Die Dibel und die Dlumen. Im „Nathanael" erschien unlängst ein Bericht über die letzten Lebenstage von Franz Delitzsch. Der Verfasser, Or. Gustav Dalman, welcher dem am März entschlafenen Gelehrten nahe stand, führt uns in das Kranken- und Sterbezimmer desselben. Was sehen wir da? Auf seinem Schmerzenslager ruht der ehrwürdige Greis. Die Leibeskraft ist gebrochen, aber der Geist, immer noch thätig, zwingt Auge und Hand, oder wenigstens Auge und Mund auch jetzt noch ihren Dienst zu leisten. Der Hauptgegenstand, mit welchem sich Delitzsch lesend oder schreibend oder doch diktierend beschäftigt, ist die Bibel. Ihr widmet er sein letztes Buch: die Schrift über messianische Weissagungen. Der Umarbeitung der von ihm angefertigten Übersetzung des Neuen Testamentes in die Sprache des Alten gelten seine letzten Anstrengungen. Wie gerne würde er selbst noch den Schlußstein der mehr als 50jährigen Übersetzungsarbeit legen! Allein dieser Wunsch kann nicht mehr in Erfüllung gehen. Er muß Dalman die Sache übergeben und sich damit begnügen, mit diesem das Matthäus- Evangelium durchzunehmen. Durch den ganzen letzten Monat dauern die Zusammenkünfte der beiden fort. Der Kranke erlaubt sich hierbei keine Schonung. Man erinnert ihn an die durch Überarbeitung verschuldeten schlaflosen Nächte, aber er ruft: „Und wenn es mein Leben kosten sollte: die Arbeit am Neuen Testament muß gethan werden." Daß dem gefeierten Leipziger Theologen und Orientalisten die Bibel nicht nur ein Stoff für gelehrte Arbeiten, sondern vor allem ein Lebensbuch war, an dem er sich selbst stärkte und erquickte, das zeigte sich z. B. bei den Hausandachten, für die er meistens selber ein Kapitel der h. Schrift bestimmte. Die letzten Worte, die er auf Erden hörte, waren Bibelworte: ein von der Auferstehung handelnder Abschnitt. So diente ihm die Bibel als ein Lliaswagen, auf welchem er im Sterben seinen Geist zum Fimmel erheben konnte. Ihre Tröstungen tönten ihm wie ein Willkommensgruß aus der oberen Heimat entgegen. Es ist ein wehmüthiger, aber um der der Bibel zuerkannten Bedeutung willen doch auch ein erfreulicher Anblick, den uns das Krankenzimmer des berühmten Mannes darbietet. Und es findet sich an dieser Stätte noch mehr, was uns anziehen kann. Der Verkehr der Außenwelt mit dem Kranken muß gar sehr beschränkt werden. Indessen ist

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