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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 1 (1891) · page 1

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Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
1 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gin Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels, i V Ar. 1. — 47. Jahrgang. 1891. Inhalt: Simeon und das neue Jahr — Die Bibel und die Blumen. — Ans Lübeck. — Jesus Christus der Befreier. Simeon und das neue Jahr. In dem Tempel auf Moria hat der Abend angefangen. Reiche, die geopfert hatten, sind schon alle weggegangen. Alle, die Gewohnheit führte zum Gebet ins Gotteshaus, Gingen nach Gewohnheit schneller als herein zum Thor hinaus. Mehr, um angeseh'n zu werden, gingen sie am Hellen Tag, wollten Menschen mehr erscheinen, als es Gotte gelten mag. Zwei nur wichen nicht vom Tempel, waren Bürger seiner Schwelle, Beteten in später Nacht noch, dankten, ward es wieder Helle. Naht der Schlaf dem müden Auge, dann umweh'n sie heil'ge Träume, Daß die Ankunft des Erlösers ihre Seele nicht versäume. Sieh', da kommt gar blöd' und leise in das L^aus ein armes paar, Und ihr Rind, das kleine, reine, bringen sie zum Segen dar. Seine Augen leuchten seltsam, wie umstrahlt das Angesicht. Simeon hat lang' gewartet, doch er zweifelt länger nicht, wer's ihm sagte: aus der Seele brach dem weisen es gewiß, Niemand sei der holde Rnabe — als das Licht der Finsternis, Als das Reis des neuen Frühlings, aufgeblüht aus Ewigkeit, Um des Lebens Duft zu streuen auf die Menschheit weit und breit; Niemand sei's, als das verheiß'ne, heilige Prophetenkind, Dem die Kerzen aller Menschen unterthan geworden sind. Eilend geht er ihm entgegen, nimmt es auf den greisen Arm. „Sei willkommen", spricht er weinend, „Du voll Segen ohne Harm, Du voll Hoffnung ohne Stachel, Rind voll Gnade ohne Zorn, Du voll Dulden ohne Rlage, der Versöhnung reiner Born! Jetzt zu sterben bin ich fröhlich, denn ich sah das neue Leben. Aller Abend kann verschwinden, will der Morgen sich erheben, warten preßt die Seele bitter, doch Erfüllung macht Entzücken. Nicht verging ich, eh' ich durfte meinen Trost in Dir erblicken." „Mutter", sprach er zu Maria, „weißt Du, wer Dein eigen Rind, Dem die Lichter der Geschichte in das Herz gegossen sind, Dessen Wort durch alle Völker geht als der Entscheidung Schwert? Hier des Schlachtfelds rotes Leiden, und in ihm des Friedens Herd. Hier das Sterben voller Thränen: dort der Hoffnung Siegestrank. Hier der Fluch der Sklavenseelen: dort des Beters stiller Dank. fstehen, Rennst Du, Mutter, noch Dein Rind nicht? Einst am Rreuz wirst Du's verwenn Du ihn mit Leidensarmen wirst die Welt umspannen sehen. An dem Rreuze, Schmerzensmutter, werden alle offenbar, Sei es Schächer oder Rönig, ob ihr Herz in Wahrheit war. Süßes Rind, laß Dich begrüßen, großer Held von Golgatha! Bist Du auferstanden, singt Dir jeder Mund: Hallelujah!" Horch', es gehen Glockenstimmen: angefangen hat das Jahr. Bring' zum Tempel Deines Gottes Dank und Bitte immer dar. Sieh' in allen Zukunftswellen jenes Rindes Angesicht:

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