Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 12 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 fragte: „Welcher Fluch?" Da las ihm der Kolporteur die Stelle aus der Leidensgeschichte vor, wo die Juden zu Pilatus, der Iesum losgeben wollte, sprachen: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!" Der Jude erwiderte: „Das ist das erste Wort, welches ich von dieser Sache höre. Jedenfalls bin ich es nicht, der ihn gekreuzigt hat." Der Kolporteur fragte: „Warum danken Sie Gott dafür, daß Er Sie aus Egypten errettet hat? Sie sind niemals dort gewesen. Ebenso sind Sie an der Kreuzigung Jesu beteiligt und stehen unter dem Such, den unsere Väter auf sich und ihre Kinder herabgerufen haben." Der Israelit wurde nachdenklich und verließ den Kolporteur, .indem er ihm herzlich die Hand drückte. Einige Tage darauf begab er sich zu dem letzteren und . sagte ihm, daß seine Worte ihm keine Ruhe gelassen hätten, und daß er gerne wissen möchte, wie er von dem Fluch, befreit werden könnte, den seine Väter auf ihn herabgerufen hätten. „Auch ich stand unter diesem Fluch," antwortete der Kolporteur, „aber jetzt ist dies nicht mehr der Fall." Der Jude meinte: Ich kann mich doch nicht zu einem Christen machen. Das ist unmöglich." Jener gab zur Antwort: „Nun, dann bleiben Sie unter dem Flüch!" Der Israelit bat den Kolporteur, seine Frau zu besuchen, aber diese weigerte sich, etwas von Jesu Christo zu hören. (Le Reveil d’Isr. *890, p. U8/9.) 2. Im Januar d. I. hielt sich Miss. Flad jun. einige Tage in Tripoli auf. Bald kam ihm zu Ohren, daß die Rabbiner auf alle Juden, die mit ihm und seinem Begleiter irgendwie verkehren würden, den Bann gelegt hatten. „Diese Nachricht", schreibt er in seinem Reisebericht, „entmutigte uns anfangs, denn wir wußten, wie mächtig hier die Rabbiner sind. Aber gerade an diesem Abend, bald nach Dunkelwerden, schenkte uns der HLrr eine große Ermutigung durch den Besuch zweier Juden, von denen der eine Italienisch, der andere Arabisch und hebräisch sprach. Der letztere erzählte uns, er habe vor langer Zeit von dem Neuen Testament gehört, in welchem man lese, daß der Messias bereits gekommen fei. „Ich höre", fuhr er fort, „daß Sie dies Buch haben, und komme, um es zu kaufen. Ich muß wissen, was darin ist." Wir fragten ihn: „Fürchten Sie sich denn nicht vor den Rabbinern und ihren Drohungen?" „Ganz und gar nicht. Sie können mich nicht hindern, ich bin von ihnen unabhängig." Ehe wir ihm das Neue Testament einhändigten, wies ich auf Ier. 3J, 30 und zeigte ihm die Verheißung über den neuen Bund. Dann lenkte ich seine Aufmerksamkeit auf das Titelblatt des Neuen Testamentes. Ich werde nie den Strahl freudiger Verwunderung und Überraschung vergessen, der jetzt aus seinen Augen leuchtete. Er zeigte das Blatt seinem Gefährten und begann dann hastig die erste Seite des N. T. zu lesen. Es war ein Vergnügen zu sehen, wie der Mann mit seinem neuerworbenen Schatze umging. Ehe er spät in der Nacht uns verließ, versorgten wir ihn auch mit einigen Traktaten. Am nächsten Abend kam er wieder und mit ihm ein anderer Jude. Er hatte das N. T. gelesen und die Traktate durchgesehen und dabei die Wahrheit gefunden. Er sagte: „Ich bin fast die ganze Nacht aufgewesen, habe mehrere Lichter verbrannt und gelesen, bis ich ganz