Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 12 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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9\ Handbuch der jüd. Gesetzeskunde. Aber diese Studien, bei denen er von Vater und Großvater geleitet wurde, befriedigten ihn auf die Dauer nicht. Der tägliche Gttesdienst in der Synagoge schien ihm trocken und ermüdend, ohne Geist und Leben zu sein. Dem Vater blieb die Denkweise seines Sohnes nicht verborgen. Er verzichtete endlich auf die Erfüllung seines Wunsches und erlaubte dem Jüngling Litteratur und Philosophie zu studieren. Während dieser nun auf der Universität seiner Vaterstadt seinen Studien oblag, traf er einst mit Miss. Bloch von der L. I. M. zusammen. Der letztere war ihm nicht unbekannt. Bloch Hatte in einem früheren Jahr das van Ronkel'sche Haus betreten, war aber von dem Hausherrn nicht vorgelassen worden. Da hatte er vor seinem Fortgehen in die Hände des Sohnes einen Traktat gelegt. Aber der junge jüdische Student wollte mit dem alten Bekannten nichts zu thun haben, wies ihn vielmehr ziemlich schroff ab. wie sehr er noch dem Judentum ergeben war, erkannte man auch daraus, daß er als Kämpe desselben austrat und eine Schrift gegen Dr. da Losta wegen seines Austritts aus der Synagoge veröffentlichte. Dennoch sollte jener Traktat das erste Glied in der Liebeskette sein, durch welche er zum Messias geführt wurde. Schon nach wenigen Jahren war Samuel ein gläubiger Lhrist. Er wurde durch die Taufe ein Mitglied und i. I. J86J, nachdem er seine Prüfungen bestanden und den Grad eines Doktors der Theologie erworben, ein Prediger der holländischen ref. Kirche. Als er in Amsterdam, wo er seine Amtsthätigkeit begann, die Antrittspredigt hielt, saß unter den Zuhörern auch Miss. Bloch, Thränen der Dankbarkeit vergießend. Nach 8jährigem Wirken in A. folgte van Ronkel einem Rufe nach Leiden. Hier arbeitete er, leiblich schwach, aber stark am Geiste, bis zu seinem Tode, wie er sich die Liebe der Gemeinde erworben hatte, offenbarte sich bei seiner Beerdigung am 29. Juni d. I. Viele beklagten den Verlust des treuen Seelsorgers. Unter den Leidtragenden befand sich einer der Brüder des Heimgegangenen, die alle noch dem Judentum angehören. Line der Beden am Grabe hielt in tiefer Bewegung der alte Bloch. (The J. Intelligence 4690, S. ^9 u. *35). Aus Aifchinew und Hripoli. \. Der Kolporteur von Pastor Faltin in Kischinew machte vor etwa einem Jahre die Bekanntschaft eines sehr strenggläubigen Juden, der aus podolien ausgewiesen war und sich in K. niedergelassen hatte. Der Mann erzählte dem Kolporteur, er habe soeben an den Generalgouverneur ein Gesuch um Erlaubnis zur Rückkehr in sein Land abgesandt. Als der Kolporteur ihn darauf aufmerksam machte, daß Bessarabien für seine Geschäfte ein günstigerer Aufenthalt sei als podolien, gab der Jude dies zu, sagte aber: „Ich will nur nicht unter dem Druck eines Verbannungsurteils stehen." „So", sagte der Kolporteur, „Sie wollen von der durch den Generalgouverneur von podolien erfolgten Verurteilung befreit sein, aber wegen eines anderen Fluches, der auf Ihnen lastet, beunruhigen Sie sich nicht." Der Jude