Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 10 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 seine Hilfe gewährte, indem er suchende Israeliten aufnahm und für ihre zeitlichen und geistlichen Bedürfnisse Sorge trug. Meinem Rat folgend, ging er nach Stuttgart, wo sein Herzenswunsch erfüllt wurde. Er arbeitet jetzt für die geistliche Wohlfahrt seiner Brüder unter dem Schutz der Berliner Gesellschaft. Er benutzte seinen Aufenthalt in Posen, um mir für den ersten Antrieb, den ich ihm gegeben hatte, den HErrn zu suchen, und für den Beistand, den ich geleistet, damit er Ihn finde, zu danken. Liner seiner beiden Freunde folgte ihm bald nach Stuttgart, wo er ebenfalls getauft wurde, und wo er jetzt sein Brot verdient. Der dritte hat noch nicht den Mut gehabt, alles um Thristr willen aufzugeben, aber er steht in Briefwechsel mit seinen Freunden, welche die Hoffnung aufrecht halten, daß er sich trotz aller Hindernisse eines Tages mit ihnen in ihrem Glauben vereinigen werde." Kaufen in London und Frankfurt a. M. Ies. 27, \2 heißt es: „Ihr Rinder Israel werdet versammelt werden, einer nach dem andern." Line Erfüllung dieses Wortes zeigte der Abendgottesdienst in der Missionskirche auf dem Palästinaplatz zu. London am J5. Dezember v. I. 7 Israeliten, von denen der älteste, ein Doktor der Philosophie aus Berlin, jetzt Lehrer an einer höheren Schule, ^0 Jahre alt war, während die übrigen im Alter von \7 bis zu 30 Jahren standen, traten an jenem Abend an den Taufstein. Alle hatten eine sorgfältige Vorbereitung auf das Sakrament empfangen und die Prüfung, von welcher die bischöfliche Erlaubnis zur Taufe abhängt, ehrenvoll bestanden. Unter den Taufpaten befanden sich 2 Geistliche, von denen der eine selbst ein bekehrter Jude ist, und weitere Iudenchristen, frühere Insassen des „Heims für Wanderer" und der „Arbeitsanstalt für proselyten". Die Gemeinde, zahlreicher als sonst, bestand wie immer aus Heiden- und Iudenchristen. Außer 30 Missionszöglingen waren auch einige Juden erschienen. Liner der letzteren war wütend. Er rief beim Verlassen der Rapelle: „7 Meschummedim (Getaufte)! Unglaublich! Und doch habe ich es mit meinen eigenen Augen gesehen!" Auf die andern machte der feierliche Gottesdienst, der Ernst und die Andacht der Täuflinge einen tiefen Eindruck. Im „Heim" fand dann eine Nachfeier flatt, bei welcher die Neugetauften mit ihren Freunden eine einfache Mahlzeit einnahmen, um sich hierauf im Gebet mit ihnen zu vereinigen. Auch in Frankfurt a. M. erlebte man jüngst eine Erfüllung der obigen Verheißung. Am Trinitatissonntag, den Juni d. I., wurde in der aus dem Jahr J8^8 bekannten Paulskirche daselbst eine jüdische Familie getauft, die aus 5 Gliedern, den Eltern und 3 Rindern, bestand. Das Oberhaupt derselben, Hr. G., machte vor 20 Jahren den deutsch - französischen Rrieg mit und empfing auf dem Schlachtfeld den ersten Antrieb zu ernstlichem Forschen nach der Wahrheit. Line Zeitlang hielt Frau G. ihren Mann, der in den letzten Monaten mit dem Missionsprediger Bernstein in Verbindung getreten war, zurück. Schließlich wurde ihr widerstand überwunden, nachdem ihre Mutter die Zu-