Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 10 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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77 glückte die Bitte, ob es ihr wohl vergönnt werden könnte, den Kaiser zu sehen, wenn auch nur aus einem Lcklein heraus, ganz verborgen. Der Kronprinz besann sich einen Augenblick, verabschiedete sich dann von ihr und'ließ sie zu der Gouvernante seiner Töchter führen, wo sie ein Frühstück einnehmen mußte. Ls war am 18. August, dem Gedenktage der Schlacht bei Gravelotte und 5t privat, an dem der Kaiser alte Melden der Schlacht und andere Offiziere in Potsdam grüßen und eine Truppenschau abnehmen wollte. Nach eingenommenem Frühstück brachte ein kronprinzlicher Wagen Schwester Luise dorthin. Sie ward in ein Zimmer geführt und von dem Grafen Lehndorff lächelnd begrüßt. Dann hieß es: „Der Kaiser ist da!" Und unser lieber alter Kaiser schritt auf Schwester Luise zu, reichte ihr die Hand uud sagte: „Sie wollen mich gerne sehen? Sie sehen an mir nichts Besonderes, nur einen alten, gebrechlichen Mann!" „Und doch etwas Besonderes, Majestät!" wagte Schwester Luise zu entgegnen. „Ja wohl," lautete die demütige Antwort unseres Kaisers, „ich bin ein von Gott ganz besonders gesegneter Mann!" Die Augen wurden ihm feucht. Erreichte der vor Freude Bebenden die Hand zum Abschied und sagte: „Grüßen Sie alle Ihre Mitschwestern!" (Schluß folgt.) Hach vielen Gagen. „Als ich eines Tages nach Hause kam", berichtet Miss. Lotka aus Posen (J. Int. 1890, S. 23), „erwartete mich ein Herr, der sich als einen von 3 jungen Israeliten vorstellte, denen ich etwa zwölf Jahre früher zu Sambor in Galizien das Evangelium hatte predigen dürfen. Er hatte sich so völlig verändert, daß ich ihn nicht wieder erkannte. Aber als er mich daran erinnerte, daß er noch vor ungefähr fünf Jahren mit mir Briefe gewechselt und. meinen Bat über die Schritte erbeten habe, welche er thun solle, um Lhristum öffentlich zu bekennen, da wurde mein Gedächtnis aufgefrischt. Ls war mir, als säße ich wieder in jenem dumpfen Zimmer des galizischen Gasthauses und predigte das Evangelium von unserem gnadenreichen Erlöser den drei schüchternen jungen Israeliten, die jedes Wort, welches ich sagte, einzusaugen schienen. Mein Besucher erzählte, wie sie meine Ermahnungen, in der heiligen Schrift zu forschen, nicht hätten vergessen können und oft zusammen gekommen wären, um das Neue Testament und die Traktate, die ich ihnen gegeben hatte, zu studieren. Der Eindruck des gesprochenen und geschriebenen Wortes wurde immer tiefer, bis sie sich darnach sehnten, regelmäßigen Unterricht zu erhalten, um ein öffentliches Bekenntnis ihres Glaubens an den HLrrn Iesum ablegen zu können. Der junge Mann berichtete weiter, daß er mich mehrere Mal in Lemberg gesucht aber nicht gefunden habe, da ich in Persien war. Endlich erhielt er von der Niederlage der Bibelgesellschaft meine Adresse und schrieb sogleich, um mich zu bitten, das gute Werk zu vollenden, das ich angefangen hatte. Dieser Brief erreichte mich in Posen, einige Tage nachdem ich hier angekommen war. Ich riet ihm, sich an meinen alten Freund, Pastor Gottheil in Stuttgart, zu wenden, welcher immer