Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 10 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 grüßte sie als „alte Bekannte". Als er Abschied nahm bei einer Vorstellung im Konsulate, zu der auch die drei vorstehenden Diakonissen des Kranken-, des Waisenhauses und des Pensionates befohlen waren, lud er diese drei zu einem Diner ein. Bei Tisch saß er zwischen Schwester Sophie Gräff und der seitdem selig vollendeten Schwester Luise von Trotha. Erstere stellte er seinen Begleitern vor als eine Kriegskameradin von letztere sollte noch seine Kriegskameradin auf den Schlachtfeldern von Vionville und Mars la Tour werden. Am 8. Dezember \869 hielt sich der Kronprinz einen kurzen Nachmittag in Alexandrien auf, fand aber doch in den wenigen Stunden Zeit, das hinten im Araberviertel liegende Hospital zu besuchen. Obwohl in großer Eile, gab er jeder Schwester die Hand, hatte auch für jede ein paar freundliche, gewinnende Worte, so daß an Befangenheit in seiner Gegenwart, ungeachtet seines großen Gefolges, niemand denken konnte. Auch mit den Ärzten und Kranken sprach er freundlich, nahm einen Augenblick im Wohnzimmer der Diakonissen Platz und schenkte diesen sein und der Kronprinzessin Bild. Unter sein Bild schrieb er einige freundliche Worte zur Erinnerung an seinen Besuch. Beim Weggehen sagte er, daß er bei einem zweiten Besuch im Grient die Schwestern im neuen Hospital zu sehen hoffe. Schon vorher hatte er im vorüberfahren mit dem Gefolge den Neubau besichtigt, war dort von den Herren der Baukommission empfangen worden und hatte auch ^00 Francs für die Anstalt geschenkt. 5. Der huldvollen Einladung des Kronprinzen, gelegentlich eines Besuches in Deutschland bei ihm vorzusprechen, folgten mehrere Diakonissen, zuerst {872 Schwester Tharlotte Pilz aus Jerusalem, von Atemsbeschwerden belästigt, stieg sie mühsam die Treppe im Neuen Palais hinauf und gedachte, oben angelangt, sich ein wenig zu erholen. Aber als sie den Blick empor richtete, stand oben an der Treppe der Kronprinz mit der Kronprinzessin und den Prinzessinnen. Er stellte dieselben der Schwester vor. Sie mußte sich zu ihnen setzen und viel von Jerusalem erzählen. — Zm Jahre {875 kam die inzwischen Heimgegangene Diakonissin Amalie Richter aus Beirut ins kronprinzliche Schloß, als die kronprinzlichen Kinder mit andern gerade ein fröhliches Kinderfest feierten. An demselben mußte sie teilnehmen. — Endlich besuchte Schwester Luise Breyner, früher in Jerusalem, jetzt in Beirut, J883 den Kronprinzen im Neuen Palais zu Potsdam. Dieselbe, wiewohl von Geburt eine französische Schweizerin und also Republikanerin, hatte doch schon längst eine große Liebe zu unfern Hohenzollern gefaßt. Diese Liebe gab ihr den Mut, obgleich der Zeitpunkt möglichst ungünstig schien, da gerade in jenen Tagen die Vorbereitungen zur Taufe des zweiten Enkels des Kronprinzen, des Prinzen Eitel Friedrich, getroffen wurden und schon auswärtige Fürsten am Hofe weilten, einen höheren Offizier zu bitten, ihr eine Audienz beim Kronprinzen auszuwirken. Der Offizier machte ein bedenkliches Gesicht, aber kurze Zeit darauf wurde Schwester Luise in das Neue Palais befohlen, vom Kronprinzen in liebenswürdigster weise aufgenommen und seiner hohen Gemahlin vorgestellt. So vieler Leutseligkeit gegenüber wagte die Be-