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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 10 (1890) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
10 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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75 ladung zum Diner. Sie war die einzige weibliche Persönlichkeit bei der Tafel. Der Kronprinz unterhielt sich lebhaft mit ihr und sagte unter anderm: er wie seine Begleiter seien nach ihrer Ankunft noch lange ganz gerührt gewesen über die frohen Gesichter der Diakonissen am Wege. wiederholt lud er Schwester Lharlotte und durch sie ihre Mitschwestern ein, wenn sie nach Deutschland kämen, auch bei ihm anzuklopfen. Seinen Besuch in Talitha kumi versprach er gelegentlich seiner Abreise am Sonntag, dem 7. November, nachmittags um 3 Uhr. —- Am Morgen dieses Tages hatte er in der Sakristei der Lhristuskirche allein das h. Abendmahl empfangen, darauf dem Gottesdienste beigewohnt und dann sich eine Stunde in die Stille zurückgezogen. Schon vor 3 Uhr erschien er in Talitha kumi. Auch hier besichtigte er das Haus genau, nahm eine Erfrischung an und stieg zuletzt mit Schwester Lharlotte bis auf die äußerste warte der Terrasse. Dort rühmte er, daß er einen sehr schönen Tag gehabt, und daß die Kommunion, welche er in Jerusalem zu feiern sich gesehnt habe, für ihn sehr segensreich gewesen sei. Dann schloß er mit den Worten: „Ich gehe mit großem Frieden im Herzen von hier fort!" An dieselbe Stelle hak Schwester Lharlotte Pilz am 23. Januar J890 den Prinzen Heinrich von Preußen geführt und ihm wiederholt, was dort in jener Stunde des Abschieds sein seliger Vater bewegten Herzens zu ihr gesprochen. 3. In Beirut erfreute der Kronprinz am 9- November \86ty zuerst die Schwestern und Zöglinge im Waisenhause Zoar und im Pensionats durch seinen Besuch. Das Haus war mit Ledern, Palmen, Lorbeer- und Lichenkränzen geschmückt. Auf dem Dache wehten eine preußische, eine norddeutsche und die Diakonissenflagge. Über der Thür stand außen: „Der HErr mit dir, du streitbarer Held!" (Richter 6, \2), innen: „Glück zu, Friede sei mit dir, deinem Hause und allem, was du hast!" Q. Sam. 25, 6). Als der Kronprinz in die Thür des Vorgartens trat, standen die 200 Kinder schon vor dem Hause, die des Pensionates in weißen Kleidern mit schwarzen Gürteln und roten Bändern, die Waisen in ihren Sonntagskleidern mit weißen Schürzen. Alle sangen das mächtige Hohenzollernlied: „Es wurzelt ein Baum tief im preußenland Mit grünenden Ästen und Zweigen." Das geschriebene Lied wurde ihm auf einem goldgewirkten Kissen überreicht. Bei dev Stelle: „Fest wie die Ledern des Libanon, Steht der Stammbaum der Zollern auf Preußens Thron!" legte das jüngste Mägdlein ihm einen prächtigen Ledernzweig mit Früchten zu Füßen. Mit liebenswürdigster Freundlichkeit nahm er die Huldigungen der Kinder entgegen und musterte die Anstalt aufs genaueste. Als er vom Balkon auf die auf dem Spielplatz versammelten mehr als 200 Mägdlein herabschaute, welche das Lied sangen: „HErr, unser Gott, wie groß bist Du!" breitete er beide Arme wie segnend über sie aus. — Von dem Waisenhause fuhr der Kronprinz nach dem Johanniter-Hospital. Mit derselben huldvollen Freundlichkeit, die alle Herzen eroberte, begegnete er auch dort den Schwestern, wie den Kranken. Schwester Sophie Gräff, welche im Jahre ^86H in mehreren von dem Kronprinzen besuchten Lazaretten Schleswigs und Jütlands gepflegt hatte, erkannte er wieder und be-

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