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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 10 (1890) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
10 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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74 Auszug aus derselben lassen wir zur Ergänzung der früher („Dibre Emeth" \888 Nr. 9 u. j889 Nr. 6) mitgeteilten Züge aus dem Leben des Entschlafenen hier folgen. Als derselbe als Kronprinz im April und Mai J868 dem italienischen Hofe in Florenz einen Besuch machte, ließ er am 2. Mai, einem Samstag, den in der dortigen Kaiserswerther Erziehungsanstalt thätigen Diakonissen melden, daß er sie am Sonntag, den 3. Mai, nach dem Gottesdienste besuchen werde. Über eine Stunde verweilte der hohe Herr im Hause, besichtigte jeden Baum, erkundigte sich sehr genau und mit herzgewinnender Freundlichkeit nach allen Verhältnissen und sagte öfter: „wie urdeutsch, wie gemütlich ist alles!" plötzlich fragte er die ihn führende Schwester: „Hätten Sie nicht Lust, mit Ihren Kindern das Feuerwerk zu sehen? Sie können in mein Hotel am Arno kommen. .Ich werde nicht da sein, werde Ihnen aber gern meine Zimmer geben." Ihm zu Ehren war nämlich für den Abend ein großes Feuerwerk vorbereitet. Kaum hatte der Kronprinz sich entfernt, so brachte ein Neger noch eine schriftliche Einladung, von seinen Gemächern aus das Feuerwerk zu beobachten. Als die Schwestern mit ihren Zöglingen erschienen, fanden sie die Dienerschaft auf ihr Kommen vorbereitet, erfreuten sich mit ihren Kindern des glänzenden Schauspiels, und schließlich wurden ihnen noch, wie befohlen war, Erfrischungen gereicht. Vor seiner Abreise sandte der Kronprinz als Gegengabe für eine Ansicht der Anstalt, welche er sich ausgebeten hatte, seine Photographie, ein großes Bild in prachtvollem Goldrahmen. 2. Im Jahre I869 kam der Kronprinz auf seiner Orientreise am 4- November nach Jerusalem. Die Diakonissen hatten sich inmitten ihrer großen Kinderschar am Wege aufgestellt. Kaum ward er ihrer ansichtig, so ritt er zu ihnen, begrüßte jede einzelne herzlich mit deutschem Händedruck und brachte ihnen Grüße, wie er sich ausdrückte, von seiner Frau, seinem Vater, seiner Mutter und der Königin Elisabeth. Am 6. November besuchte er das Hospital auf dem Berge Zion. Er ging durch das ganze Haus und erkundigte sich teilnehmend nach der Krankheit und der Heimat vieler Kranker. Auf der Frauenstation zog ein dreijähriges schwarzes, kraushaariges Mägdlein seine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Er ließ sich vor ihrem Bettchen auf ein Knie nieder und spielte mit dem Kinde. Die kleine Kranke schaute freudestrahlend zu ihm auf und flüsterte mehrere Male in ihrer arabischen Muttersprache: „ Ahubbuka! Ahubbuka!“ „was will die Kleine nur?" fragte der Kronprinz. „Königliche Hoheit, sie sagt: Ich liebe dich!" erwiderte die Diakonissin. Auf der Terrasse des flachen Daches, welche ihm einen freien Blick auch über den Muristan oder Iohanniterplatz darbot, verweilte er längere Zeit und ließ sein Auge noch einmal auf dieser Stätte ruhen, welche ihm bei seiner Anwesenheit in Konstantinopel der Sultan für seinen Vater, den König, geschenkt hatte. Beim Abschied sagte er: „Hier im irdischen Jerusalem werden wir uns nicht Wiedersehen, aber doch, wenn Gott Gnade giebt, im himmlischen!" — Diakonissin Lharlotte Pilz, die Vorsteherin unseres Waisenhauses Talitha kumi wie unserer ganzen Arbeit in Jerusalem, empfing eine Ein-

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