Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 9 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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im xreuß. Abgeordneten- und im L)errenhause in den Monaten März und Mai geäußerte Wunsch, es möchten besondere höhere Lehranstalten für Juden errichtet werden, findet unter diesen selbst bei einzelnen Zustimmung. Im „Israeliten", dem Organ des strenggläubigen Judentums, dessen Gründer der am April d. I. verstorbene Mainzer Rabbiner Lehmann war, wurde er schon vor Jahren ausgesprochen (^885 Nr. 60 f.). Die Behauptung, daß für Christen in dem Zusammenwirken mit Juden, sei's als Schülern oder Bürgern, eine sittliche Gefahr liege, bestreitet ein Beschluß der am 28. Mai d. I. in Breslau abgehaltenen \2. Generalversammlung des Vereins isr. Lehrer in Schlesien und Posen. — Sämtliche Naturalisationsgesuche russischer Israeliten, die in Berlin seit Beginn des Jahres an das Ministerium des Innern gerichtet worden waren, wurden von diesem ohne jede Begründung abschlägig beschieden. Auch . wurden im Frühjahr mehrere russische Juden ausgewiesen. — In knalle a. S. wählte das akademische Generalkonzil, d. h. die Gesamtheit der ordentlichen Professoren, für das am \2. Juli begonnene Universitätsjahr mit geringer Stimmenmehrheit den Prof. Bernstein von der medizin. Fakultät zum. Rektor, einen „anspruchslosen" jüdischen Gelehrten, der seine Rinder hat taufen lassen. — In Dessau erfolgte am *8. Juni in Gegenwart des Hofes und zahlreicher auswärtiger Gäste die Enthüllung des Mendelssohn-Denkmals. Professor Lassen hielt die Festrede und übergab das Denkmal an den Oberbürgermeister Funk. — Am 5. Mai fand in Hamburg die Eröffnung einer mit dem Tempelverbande zusammenhängenden „israelit. Religionsschule" statt. Ebendaselbst starb am \2. Mai im Alter von Jahren der letzte Veteran aus den Befreiungskriegen von *8^3/^, David Nathan. — Ein jüdischer Schriftsteller aus Köln, Dr. jur. Morris de Ionge, beschuldigt seinen Vater und eine Anzahl jüdischer Börsenmänner, einen „Akt moderner Tortur" an ihm verübt zu haben, indem sie ihn am 23. Okt. v. I. einer Irrenanstalt übergeben ließen. Nach seiner Behauptung geschah dies lediglich, weil er das Aufgehen des Judentums in das Christentum und Deutschtum fordert und das „internationale Bärsenjudentum" bekämpft. Seine Entlassung aus jener Anstalt am 2% Juni sei erst erfolgt, nachdem er eine Sinnesänderung geheuchelt habe. Nach jüd. Blättern wäre Dr. M. de I. als Irrsinniger zu betrachten. — Der am \o. Juli zu Dortmund abgehaltene Parteitag der rheinischwestfälischen Antisemiten beschloß, die Einberufung eines allgemeinen Antisemitentäges für nächstes Jahr anzuregen, zugleich wählte man einen Parteiausschuß mit D^. Rönig aus Witten als Vorsitzendem. — Ein jüdischer Commis in Märk.- Friedland, Max Rronheim, rettete am 3*. Dezember v. I. einen christl. Knaben von 9 Jahren, der in einen Mühlenteich gefallen war. In Nauheim ertrank Moritz Löb aus Friedberg, als er einen ev. Theologen retten wollte. — In Frankfurt a. M. giebt Rabbiner Dr. Brüll seit Anfang ^890 einen 6 mal jährlich erscheinenden „Lentralanzeiger für 'jüd. Litteratur" heraus, welcher die „hebräische Bibliographie" von M. Steinschneider fortführen soll. — Ein Streit des Rabbiners Löwenstein zu Gailingen (Baden) mit dem Rreisschulrat Seitz über das in einer Simultanschule angebrachte Kruzifix zeigt aufs neue, daß diese Schulen es keiner Religionsgesellschaft recht machen können. — In Bayern bewilligte die 2. Kammer \5 500 Mk. für Zwecke des jüdischen Kultus. — Seit dem *5. Mai 4390 erscheint in Wien ein neues Organ der Antisemiten, die „Wiener Tagespost". Bei den Lrgänzungswahlen für die Bezirksausschüsse im gleichen Monat siegte diese Partei in % Bezirken. — Der Voranschlag der Budaxester israelit. Religionsgemeinde setzte die Ausgaben für ^890 auf 263 89t dulden fest. Der Oberkantor Ney, früher Mitglied des Opernhauses, erhält ein Gehalt von t0000 Gulden. — Die russische Regierung verbot die weitere Verwendung von Juden zur Zusammenstellung von Militärrekrutierungslisten und zur Abfassung sonstiger hiermit zusammenhängender Schriftstücke. Die Zeitungsnachrichten von viel weiter gehenden Einschränkungen der Israeliten Rußlands werden widerrufen. — In Rumänien verlangen die Juden einiger Städte die Bildung jüdischer Gemeinden mit bestimmten Rechten, weil sie gegenwärtig vielfach der Willkür der kommunalen und richterlichen Behörden preisgegeben seien. Man wünscht einen Zustand, wie ihn die christlichen Gemeinden der Balkanländer vormals unter türkischer Herrschaft genossen, wo den griechisch-katholischen Kultusbehärden gewisse Befugnisse über die inneren Angelegenheiten der Gemeinde und ihrer Mitglieder zustanden. Gegen dieses Begehren aber lehnen sich unter den Juden