Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 9 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554970-2554980--08971-2565041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
70 durch seinen Ungehorsam dieses Schicksal auch reichlich verdient. Das ist aber noch nicht das letzte Wort des Apostels. Gerade jetzt, da man es am wenigsten erwartet, zeigt er, daß das alte Bundesvolk noch eino herrliche Zukunft hat. Rann auch von Rechtsansprüchen bei Israel keine Rede sein, so wird sich doch die Barmherzigkeit und Treue Gottes an dem Volke der Wahl aufs wunderbarste offenbaren. Ist gegenwärtig auch die Mehrzahl des Iudenvolkes dem Unglauben, ja der Verstockung anheimgefallen, so hat deshalb der HLrr sein Volk doch nicht für immer verstoßen. Paulus selbst und mit ihm die ganze judenchristliche Gemeinde sind ein Beweis dafür, daß jetzt wie in den Tagen Elias ein Rest nach Gottes gnädiger Erwählung übrig geblieben ist. Die übrigen sind allerdings verstockt, aber gerade ihr Unglaube hat dazu dienen müssen, die Versöhnung der Welt herbeizuführen und das- Evangelium in die Heidenländer hinauszutreiben. Israels Lall hat also den Heiden das Heil gebracht; was wäre wohl dann erst zu erwarten, wenn Israel sich bekehrte? Gewiß nichts anderes, als die Vollendung des Heils, als Leben aus den Toten. Die Bekehrung Israels ist denn auch keineswegs unmöglich. Haben die Heiden, die den Zweigen eines wilden Ölbaumes zu vergleichen sind, in den zahmen Ölbaum Israels eingepfropft werden können, haben sie, die von den Vorrechten des Bundes ausgeschlossen waren, an den Segnungen teil bekommen, welche Israel von Gott genießen durfte, wie viel mehr werden die der Verheißung teilhaftig werden können, welche als Abrahams Same Zweige einer heiligen Wurzel sind! Ja, der Apostel kann auf Grund einer ihm gewordenen Offenbarung geradezu bezeugen, daß die Bekehrung Israels einst sicher eintreten wird. Wenn die Fülle der Heiden sich zu Thristo bekehrt hat, dann wird auch Israel sich seines- Unglaubens schämen, es wird von einer heiligen Eifersucht erfaßt werden, nicht hinter den andern Völkern zurückzubleiben, und dann als ganzes Volk in die Gemeinde Jesu eingehen. wie die Heiden, so haben auch die Juden ihre Zeit des Unglaubens. Die Sünde muß sich entfalten, um ihre ganze Verderblichkeit zu offenbaren; aber dann wird sich auch das Erbarmen Gottes aufs herrlichste zeigen, das Juden und Heiden vereinigen wird im Glauben und in der Anbetung dessen, der der Messias Israels und der Weltheiland ist. Lin großartigerer Abschluß der Geschichte Israels und der Heidenwelt läßt sich nicht denkeii, und so kann denn der Apostel wiederum (wie 8, 3\ ff.) in den Lobpreis des Gottes ausbrechen, der mit wunderbarer Weisheit auf wegen der Gnade und des Gerichts alles dem herrlichsten Ziele entgegenführt. Kleine jüdische Chronik. In Breslau starb Rabb. Di*. D. Frankel. — Für die hier zu erbauende Synagoge für den Iugendgottesdienst fordert ein von \7 schlesischen Rabbinern Unterzeichneter Aufruf zur Aufbringung von freiwilligen Gaben auf. — Durch Di*, jur. G. Caro und Ingenieur 0. Caro wurde eine Stiftung zur Beschaffung billiger Wohnungen für bedürftige, unbescholtene Ortsangehärige ins Leben gerufen. Von den Stiftungsgenoffen soll die Hälfte, von den drei Vorstandsmitgliedern mindestens einer der jüdischen Religion angehören. — Der bei den Verhandlungen