Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 9 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Haus einladen. Niemand wird Sie stören." Ich dankte ihm herzlich für sein freundliches Anerbieten und dankte dem allmächtigen Gott, daß Lr mir eine Thür zur Arbeit für Ihn geöffnet hat. In der elften Stunde. Auf seinem Lager ruht, von Todesschauern Erfaßt, ein Sohn des Volkes Israel. Er stirbt, und doch kann er nicht sterben, denn Mit Centnerschwere lastet auf dem Kerzen In dieser Stunde das Gedächtnis jenes Erhab'nen Glückes, das er einst genoß. vor Jahren stand das Rind des alten Bundes Im Vorhof schon des neuen, sog den Horrig Der Lehre Christi von dem Blumenkelch Der Schriften seiner heiligen Apostel. „Jesus von Nazareth ist der Messias, Der heißersehnte Tilger aller Schulden, wer glaubensvoll ihm naht, empfängt das Heil, Den süßen Trost, daß Gott ihm gnädig seil" So lehrte man den Forscher, und er glaubte. Schon kam der Tag, an dem die heil'ge Taufe Ihm höh're Güter noch gewähren sollte, Als damals er besaß. . Da sah er rückwärts, Der an den Pflug die Hand bereits gelegt. „O komm' und laß sie fahren, diese Christen, Und bleibe, was Du bist und warft: ein Jude!" Er hörte auf den Rat der alten Freunde Und stieß von sich das Evangelium. Zur Hälfte war die Pforte schon geöffnet: Nun schloß sie sich aufs neue und auf immer. Doch nein, auf immer nicht! Der milde Pförtner versucht noch einmal, in der elften Stunde, Dem Draußenstehenden sie aufzuthun. Es läßt sich dtzs Erlösers Stimme jetzt Mit Allgewalt vernehmen in dem Innern Des Sterbenden: „(D bleibe länger nicht vom Heile fern, das ich der Welt erworben! O glaub' an mich, so wirst Du heute noch Im Paradies der Sel'gen sein mit mir!" Und siehe! Der gelebt hat ohne Christum, Lr will nicht sterben ohne Christum, sondern Begehrt zum zweiten Mal und dringend Einlaß In Christi Reich. Denn eines Ankergrundes Bedarf er jetzt, die Synagoge aber Gewährt ihn nicht, nicht Sterbensfreudigkeit. „Nein, nein! Ich will das Heil nicht von mir stoßen. Ich will den Heiland sterbend nicht betrüben, wie ich es leider lebend Hab' gethan." Lr sendet hin: „O Bote Christi, eile Und gönne mir das wafferbad im Wort, Damit es alle Seelenwunden heile, Mich vorbereite zu dem letzten Gang!" Die Bitte wird erfüllt. Bald naht der Täufer: Das Sterbezimmer wird ein Gotteshaus. Der Täufling ruft mit frohem Jubelton: „Nun Hab' ich festen.Ankergrund gefunden: Im sichern Hafen ist mein Schiff geborgen. wie sehr die Stürme wüten: schaden können Sie mir nicht mehr, da der Gesalbte Gottes Mein Heiland ist, auf den mit Mose alle Propheten hingewiesen haben: Jesus." Nun kann er scheiden, friedevoll und selig von hinnen fahren in die bess're Welt. Die Engel Gottes, die sich freu'n des Sünders, Der Buße thut, sie tragen jauchzend bald Die Seele in des Heilands Arm und Schoß. Ed. WAgenbach über Köm. 9—11. (Schluß.) u, \—36. So scheint denn alle Hoffnung für Israel vernichtet zu sein. Gott hat das Recht, es zu verwerfen, und das Volk hat