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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 8 (1890) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
8 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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62 werden müßte, wenn er sie von dem Heile ausschließen wollte, so zeigt schon die Vorgeschichte Israels, daß Gott es sich niemals hat nehmen lassen, nach freier Wahl zu bestimmen, wer Träger des Heils sein soll und wer nicht. Weder Ismael noch Lsau, der Zwillingsbruder Jakobs^ hat wegen seiner leiblichen Abstammung von Abraham her an dem Segen der Verheißung Anteil bekommen, und auch Jakob verdankte seine Stellung nicht irgend welchen eigenen Werken, sondern einzig dev erwählenden Gnade Gottes, die ihn schon vor seiner Geburt sich zum Werkzeug erkor. Einem solchen Verhalten gegenüber ist nun allerdings der Mensch sogleich mit dem Vorwurf der Ungerechtigkeit bei der Hand. Aber wie könnte da von Ungerechtigkeit die Rede sein, wo es sich um eine Erweisung der Gnade handelt? Barmherzigkeit ist immer freie Liebe, die nicht ein Verdienst belohnt, sondern unverdientermaßen sich erzeigt. Barmherzig kann also der HLrr sein, gegen wen er will, ohne daß er darum ungerecht würde. Ja, noch mehr, der HErr kann auch verstoßen, wen er will. Die Verstockung ist ja nichts anderes, als die Dahingabe des Menschen in die Sünde, die er selbst erwählt hat, undso ist der HLrr so wenig ungerecht, wenn er Pharao verstockt, als wenn er Mose begnadigt. Meint nun aber der Mensch, jetzt erst recht Gott Vorwürfe machen zu dürfen, weil seine ganze Stellung schließlich nur von Gottes Willen abhänge, so erinnert ihn Paulus daran, daß er in Gottes Hand 'liege, wie der Ton in des Töpfers Hand. So gewiß der Töpfer volles verfügungsrecht über den Lehm besitzt, so gewiß hat Gott das Recht, je nachdem er es gut findet, dem Menschen seine Stellung anzuweisen. Anstatt zu murren, sollte sich also dev Mensch demütig in Gottes Hand legen. Er hätte dazu um so mehv Anlaß, als Gott von jeher den Gefäffen des Zornes gegenüber große Langmut bewiesen, und bei der Lrzeigung seines Zornes nur die Verherrlichung der Gefäsie des Erbarmens im Auge gehabt hat. Die Juden haben also keinerlei Rechtsansprüche an Gott; er kann sie verwerfen und die Heiden begnadigen, wie dies auch schon die Propheten Israels bezeugten. — Ls scheint uns vielleicht hart, wenn der Apostel so redet, aber es ist dabei zweierlei zu bedenken. Einmal kann Gott mit einem Menschen so lange nichts anfangen, als er sich trotzig gegen ihn auflehnt und Rechtsansprüche machen will. Dem frechen pochen der Juden gegenüber muß Paulus in allererster Linie Gottes unbeschränkte Freiheit hervorheben. Weiter aber ist wohl zu beachten, daß es sich in diesem Abschnitt nirgends um die endgültige Verwerfung oder die ewige Seligkeit handelt. Nur davon redet Paulus, daß die einen Menschen während ihres.irdischen Lebens Träger des Heils und Werkzeuge der Gnade Gottes sind, die andern dagegen vorläufig zurückgestellt werden und der Erweisung des göttlichen Gerichts dienen müssen. Über das ewige Schicksal der betreffenden Personen ist damit noch nicht unbedingt entschieden. 9, 30—\0, 2\. Daß Gott Israel gegenüber im Rechte ist, kann nach dieser Darlegung nicht mehr zweifelhaft sein. Aber der Apostel zeigt nun noch, daß das Verhalten des HErrn auch keineswegs ein willkürliches ist. Ls ist wahr, Israel eifert um Gott und strebt nach

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