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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 7 (1890) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
7 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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55 von der Regierung nicht als Juden anerkannt. Es ist ihnen verboten, mit den Juden in religiösen Verkehr zu treten. Es giebt eine Anzahl Sabbotniks in dem Dorfe Itat, im Bezirk von Marjusk, auf dem Wege von Tomsk nach Krasnoyarsk. Das hervorragendste Mitglied der Sekte ist hier Abram vasilyenitsch, ein Russe von Kopf bis zu Fuß. Sein Großvater, der erste aus dieser Familie, der übertrat, starb unter der Knute, und sein Vater wurde für Lebenszeit nach Sibirien geschickt. Auch sein Weib Sara stammt von Sabbotniks ab. Der Markttag des Dorfes ist der Sonnabend, aber Abram hält seinen Laden vom Freitagabend bis zum Samstagabend geschloffen. Ja, er läßt nicht einmal ein Wort über seine täglichen Geschäfte am Ruhelage über seine Lixxen kommen. Er setzt sich nie zu Tische ohne zwei andere männliche Beisitzer und steht nie von der Mahlzeit auf, ohne das vorgeschriebene Gebet laut und klar auf russisch, wozu manchmal eine hebräische Redensart kommt, gesprochen zu haben. Diese Familie übt eine wahrhaft patriarchalische Gastfreundschaft und zeigt große Verehrung und Liebe für alles, was mit der jüdischen Religion zusammenhängt. In Marjusk giebt es eine bedeutende Niederlassung von Sabbotniks. Dieselben kamen in der dortigen Synagoge zusammen, bis jemand die Aufmerksamkeit der Behörden auf diese Übertretung des Gesetzes lenkte. Ein Mitglied, das Priester gewesen war, wurde 20 Jahre lang in einem Kloster gefangen gehalten, um für seinen Abfall Buße zu thun. Da der Mann aber hartnäckig blieb, wurde er zuletzt nach Sibirien verbannt. Girr Heilmittel fiiv die Zerfahrenheit des Denkens. Das Christentum hat seit Jahrhunderten, obwohl vielfach mit Undank gelohnt, dem menschlichen Denken den Halt geboten, welchen dasselbe seinem Wesen nach nicht entbehren kann. Das Christentum allein kümmert sich planmäßig um die Entstehung der Gedanken im Menschenherzen. Dieses allein giebt uns umsaffende Anweisungen über die Bildung unserer Gedanken. Die Gewißheit, daß alles von unserm Vater ausgeht und darum zu unserm Besten dienen muß, ist die erste Stütze unseres Denkens. Durch widerwärtige Lebenserfahrungen wird dieselbe nicht zerbrochen, weil die weitere Gewißheit hinzukommt, daß auch der Sohn Gottes durch Leiden hindurch gehen mußte, welch' unverdientes Glück, daß wir durch Jesus von Nazareth grundsätzliche Anweisungen für das innerste Gedankenleben besitzen, die seit Jahrhunderten sich als solche bewährt haben, welche einen einheitlichen und planmäßigen Aufbau des menschlichen Denkens von. der Kindheit an ermöglichen! In diesem Umstand liegt die Erklärung für die thatsächliche Höhe der Kultur, die von christlichen Völkern erreicht worden ist. Das Christentum ist Denklehre in einem bisher unverstandenen Sinn. Es setzt uns in den Stand, überall folgerichtig zu denken und stets eine möglichst große Denkkraft zur Verfügung zu haben. Das Christentum allein steuert planmäßig dem Hin- und Herschwanken des Gedankenlebens. Darum ist es die einzige Leben und Sitte erhaltende und schaffende Macht. Das Christentum ist die höchste Wissenschaft, weil es den Grund zu allen andern Wissenschaften legt. Denn der christliche Glaube erzeugt erst solche Menschen, die in den einzelnen Gebieten etwas leisten können. Fürwahr, ein wunderbares Geschenk ist dieser Christenglaube! Nur derjenige Mensch verdient, mit seinem Urteil gehört zu werden, bei dem eine gute Mrdnung seines ganzen Gedankenlebens für die Haltbarkeit seiner Ansichten bürgt. (Gedanken aus der in Nr. 5 angezeigten waltherschen Schrift: „Wissenschaft oder Christentum? Wer denkt schärfer?") Briefkasten. An K. Nie und nimmer wird es mir einfallen zu behaupten, was Sie mir zuschreiben, daß die Juden von Christen „heimgesucht werden müssen." Christus verlangt von seinen Anhängern Übung der Liebe gegen jedermann. Aber ich glaube allerdings, daß Gott manchmal die Sünde mit Sünde straft, Israels Verstocktheit mit der Lieblosigkeit sogenannter Christen. . Gottes Strafen können in diesem Fall nicht beim 3. und 4. Glied aufhören, weil beide selbst wieder die Sünde der Väter vollbringen und ihren Messias verwerfen. O, möchte Israel endlich umkehren und bedenken, was zu seinem Frieden dient!

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