Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 7 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Leichentuche zu überziehen. Wenn man die überall aus dem Auellwaffer niedergeschlagenen Kalkkrusten untersucht, so findet man ganze Palmstämme mit ihren wohlerhaltenen Blättern in diese Kalkrinden eingebettet. Nur auf der gegenüberliegenden Seite des Toten Meeres, wo die Wasser des Arnon und die Quellen von Kallirhoe aus den gerade aufsteigenden Felsen der Moabiterberge sich in engen Schluchten nach dem Meer herauszwängen, grünt noch die Palme in einzelnen Gruppen. Von den weiten Flächen der Jordanaue, wo sie einst als ein Fruchtbaum gehegt und gepflegt wurde wie jetzt noch in Arabien und in der ganzen subtropischen Zone Afrikas, ist sie fast ganz oder ganz verschwunden. Strabo, der alte Geograph, behauptet, die Juden hätten die Kultur der als vorzüglich berühmten Datteln Judäas auf die Tiefebene des Jordans beschränkt, um ein Sinken ihres Preises zu verhindern. Das ist zwar bezeichnend für die damalige Beurteilung der Juden, aber sicherlich nicht richtig. Die Dattelpalme, welche nur in der, tief unter dem Meeresspiegel gelegenen Jordanaue ein ihr ganz zusagendes Klima findet, trägt wohl auch in den Küstenebenen bei Jaffa und besonders bei Gaza einigermaßen brauchbare Früchte, aber auf dem höher gelegenen Mittelland von Palästina kommt sie nicht mehr zur Reife. Der französische Physiker Arago hat meines Wissens ans dieser mangelnden Ertragsfähigkeit der Dattelpalme im größten Teil des heiligen Landes den Schluß gezogen, daß das Klima dieser ganzen Zone mit der Zeit an Wärme verloren habe. Aber die obenerwähnte Notiz von Strabo und auch die Angaben der heiligen Schrift, die nur in der Jordanniederung eigentliche Palmengärten kennt, widersprechen dem. Wie erklärt sich nun dieses Verschwinden der Palmen, die doch überall in Ländern, welche Palästina an Dürre nichts nachgeben, wo nur feuchter Grund zu finden ist, in Menge gepflanzt werden und die Hauptnahrung für Arabien und die Gasen der afrikanischen Wüste geben? Der Dattelbaum pflanzt sich wohl durch das Herabfallen der. gereiften purpurroten Datteln von selbst fort, aber ohne pflege der Menschenhand ist er doch vor dem Verfall nicht gesichert. Um dies zu verstehen, noch einige Worte über Art und Natur desselben. Der Anblick der Palme ist für den Pilger im Grient das hervortretende Zeichen einer anderen fremdartigen Natur. Wie viel stärker muß dieser Eindruck in früheren Zeiten gewesen sein, als die Pflanzen und Tiere tropischer Länder noch nicht wie heute durch tausend Bilder auch in unserer Heimat bekannt und vertraut waren!. Diese Fremdartigkeit hat darin ihren Grund, daß der Palmbaum, welcher die heiße Zone charakterisiert, einer ganz anderen Grundordnung des Pflanzenreiches angehört als alle unsere Waldbäume. Er ist unter den Bäumen, der Vertreter der einfacheren Form, welche nicht ein vielästiges Ganzes bildet, sondern, aus einem Keimblatt in die Höhe steigend, ihre Blätter in harmonischer Ordnung um den einen stämmigen Schaft gruppiert. Auch das Wachstum ist ein anderes. Der Stamm wächst nicht wie unsere Stämme auch in die Breite von Jahr zu Jahr, sondern steigt uur in die Höhe, alle Lebenskraft des Baumes dringt nach oben, in-