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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 6 (1890) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
6 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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tönte nicht weit von mir ein Flintenschuß, und bald erblickte ich im Mondenlicht einen Menschenknäuel in der einen Straße des Städtchens, welche ich überschauen konnte. Sie trugen einen Mann auf unsere Feldwache. Die Stunde der Ablösung brachte mich in den Kreis der wachtgenofsen, in deren Mitte mein Nebenmann schwer verwundet lag. Als ich herantrat, schlug er die Augen auf, und mich erblickend sagte er das eine Wort: „Nach Hause!" Ja, nach Hause, so klang es dann mehrere Tage lang im. Kerzen wieder, bis ein Gruß „von Hause" eintraf, durch den neue Zuversicht und Stärke in die Seele einzog, weil aus ihm die Versicherung herzlicher Fürbitte als leuchtender Stern herausstrahlte. Wer aber beschreibt den Jubel, mit welchem nach erfolgtem Friedensschluß die Eltern ihre Söhne, die Väter ihre Kinder, die Gatten einander in die Arme schlossen! Durch Alldeutschland hat es damals gehallt vom Palast bis zur Hütte: „Zu Hause! Zu Hause!" Warum sollen wir Mission treiben? wie sollen wir Mission treiben? welches Ziel erreichen wir Missionsleute? Auf diese drei Fragen findet man hier eine klare Antwort. Nach Hause verlangt jedes Herz. Drückt uns ein Kreuz, so zieht Heimatssehnsucht durch die Brust, hält irdisches Glück eine weile vor, so befriedigt es doch nicht. Die Seele sehnt sich auch dann nach Hause. weil er sich nach Hause sehnt, darum betet der Schwarze seinen Fetisch an, darum bringt er sogar Menschenopfer dar; darum verbrennt der Chinese sein Goldpapier; darum wirft der Indier sich wor den Elephanten; darum peinigt der heilige Büßer seinen Leib. Durch die ganze Heidenwelt, durch die ganze Menschheit geht das gleiche Sehnen: „Nach Hause! Nach Hause!" hören wir auf den Ruf? wie soll jene Sehnsucht gestillt werden, wenn wir vom Vaterhause nicht ausgehen und den heimwehkranken den weg zur Heimat weisen? Das ist ja unsere Aufgabe nach unseres HErrn und Heilandes Befehl: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur!" Ls gehört gar manches dazu, wenn wir diesem Befehle Nachkommen wollen. Das erste ist das heilige Liebesfeuer, welches entweder fähig ist, selbst hinzuziehen oder willig die Familienglieder, Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern hinziehen zu lassen in den Dienst der Mission. Von solchem Feuer war jene Mutter in einer schlesischen Stadt durchglüht, welche nach einer Missionspredigt in der Sakristei an mich herantrat, meine Hand drückte und leuchtenden Auges bekannte: „Ich habe auch zwei Söhne draußen bei den Heiden!" Gar mancher kann nichts anderes thun, als eine Geldspende bringen, aber er thut's so gerne wie jener Tagelöhner meiner Gemeinde, der um das weihnachtsfest seinen Thaler aus der Missionskasse bringt, welche er sich in seinem Hause für Dankesgröschlein aufgestellt hat. Ein heiliges Liebesfeuer aber muß sich in unserer Seele entzünden, so oft der am Kreuz hängende oder der aus -dem Grabe kommende Erlöser uns zuruft: „Das that ich für Dich!" — Zum Liebesfeuer kommt der Glaubensmut, welcher vor keiner Gefahr .zurückschreckt und es nicht lassen kann, von dem Heilande zu reden.

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