Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1890-01-01 · 5 (1890) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
5 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554970-2554976--08935-2565001
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

38 Kleine indische Chronik. In der Angelegenheit des Rabbinatskandidaten Bernstein in Breslau (D. E. t889, S. .59) stand am 8. März d. I. wieder Termin an. Der Gerichtsphysikus Dr. Lester erklärt den Angeklagten für unzurechnungsfähig, das Gutachten des Medizinalkollegiums widerspricht dem. Die Verteidigung hat nun die Einholung eines Ober- Gutachtens der königlichen wissenschaftlichen Deputation zu Berlin beantragt und der Gerichtshof die Sache infolgedessen weiter vertagt. — Auch einer anderen hier vorgefallenen Gerichtsverhandlung fei an dieser Stelle gedacht. Die Firma Glücksmann & To. hatte u. a. an einen evangelischen Geistlichen in der Provinz eine Anpreisung ihrer Mäntel für „die schönsten Damen" geschickt. Diese Form mißfiel dem Adressaten, weshalb er an die Firma eine Postkarte folgenden Inhalts abgehen ließ: „Sie haben mir in diesen Tagen eine Offerte gesandt, ohne daß ich eine bestellt habe. Ich teile Ihnen mit, daß ich Offerten in dieser Form nicht wünsche." Die Aufschrift der Postkarte lautete: „An die jüdische Kleiderhandlung von I. Glücksmann 6c To. in Breslau." In dem Zusatze „jüdische" erblickteil die Inhaber der in Rede stehenden Firma eine Beleidigung und strengten deshalb gegen den Geistlichen eine privatklage an. Das Amtsgericht wies die Klage ab. Das Landgericht, jedoch verfugte die Anberaumung der Verhandlung, und das Schöffengericht verurteilte den Geistlichen wegen Beleidigullg der Firma Glücksmänn 6c To. zu \o Mark Geldbuße. — Der Breslauer Verein zur Unterstützung jüdischer Geschäftsleute zählt 225 Mitglieder. Die Ausgaben i. I. *889 betrugen. 27 2z,50 Mk. Der Vorsitzende ist Rechtsanwalt Lohn. In Glogau erscheint ein nques jüdisches Blatt unter dem Titel „Iüdische Gemeinde-Zeitung" (Zeitschrift für alle jüdischen Angelegenheiten). L)erausgegeben wird dasselbe von dent dortigen Lehrer Max Graf. — Die israelitischen Gemeinden Oberschlesiens bilden, einen Bund, dessen Sitz Gleiwitz ist. — Am rs. Dezember v. I. wurde die netterbaute Synagoge in Ratibor eingeweiht. — Die israelitische Bibelanstalt wird jetzt von Hugo Bernstein in Berlin, Zimmerstraße 94, verwaltet. Neuerdings erschien in derselben eine neue Auflage der hebräischen und der deutschen Bibel. Die Übersetzung rührt von dem am 29. Dezember v. I. Z" Bonn verstorbenen Begründer und Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", Rabbiner- Dr. Philippfon, her. Auch die prophetischen Abschnitte, die in beit Synagogen verlesen werden, kamen in hebräischer Sprache neu heraus. — Die Kaiserin Augusta vermachte der Altersversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde ein Legat von.5000 Mk. Sie hatte derselben schon Jahre lang namhafte Beiträge gespendet. — Der Ende JI889 gestorbene frühere Direktor der Kunstakademie zu Düsseldorf, Ed. Bendemann, war der Sohn eines jüdischen Bankiers in Berlin. Seine Hauptwerke behandeln Gegenstände aus der jüdischen Geschichte, obwohl er zum Christentum übertrat. — Ein Aufsatz von Tour. Alberti (Sittenfeld), welcher in der Leipziger Monatsschrift „Gesellschaft" erschien, überbietet die meisten früheren antisemitischen Kundgebungen. Der Verfasser ist ein Jude. — In Fulda entstand ein antisemitischer Verein. — Zum Bau einer ^ooo Mk. kostenden Synagoge inJngweiler (Elsaß) steuerte die Regierung 7200 Mk. bei. — In Baden gewährte der Staat I6 800 Mk. zur Aufbesserung von Rabbinergehältern. — Die kürzlich gegründete Zeitschrift „Österreichisch-Ungarischer Israelit", die von Josef Morgenstern in Währing bei Wien geleitet wird, will die Eigenart des jüdischen Volkes pflegen. Sie stößt dabei auf heftigen Widerspruch von seiten derjenigen Israeliten, die das Judentum in der Menschheit aufgehen lassen. — Von Professor Rohling in Prag, sind hebräisch und deutsch „Neue Briefe an die Juden" herausgekommen. Ein Beurteiler der Schrift (A. Bernstein) rät dem Verfasser, das hebräische Neue Testament und die Missionstraktate von Delitzsch zu studieren, dann werde er eher fähig sein, für Juden zu schreiben. — In Ungarn wurde aufgrund einer Erklärung von 239 altgläubigen Rabbinern eine Eingabe an das Kultusministerium gerichtet, in welcher das Bestehen zweier israelitischer Konfessionen, einer orthodoxen und einer neologen, behauptet und eine förmliche Scheidung beider erbeten wird. Die um ein Gutachten in dieser Frage angegangene israelitische Landeskanzlei ließ dasselbe dem Minister durch eine Deputation überreichen, wie die Regierung, strebt auch die Kanzlei nach Aüfrechterhaltung der Einheit. — Gegenwärtig er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.