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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 5 (1890) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
5 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 Das ist die gesellschaftliche Stellung der Juden. Sie erfreuen sich des Honigs der Biene, müssen aber auch ihren giftigen Stachel empfinden. was ihre Religion betrifft, so giebt es hier kleinere Synagogen und eine große, eine Art Kathedrale, welche alle den Sephardim zugehören, da hier nur sehr wenige europäische Juden wohnen. Ihre Sprache ist Französisch, Arabisch und eine verdorbene hebräisch-maltesische Mundart. Sie nennen sich selbst orthodox, aber sie sind sehrunwissend und abergläubisch. Die jungen Leute sind mehr oder weniger .Zweifler wie ihre französischen Mitbürger, aber diesen darin unähnlich, daß sie es sehr lieben, religiöse Gegenstände philosophisch zu erörtern. Mährend der letzten jüdischen Feiertage, zu Neujahr u. s. w., besuchte -Missionar Goldenberg mehrere ihrer Synagogen. Nach dem Gottesdienst fragte man ihn, ob er ein englischer Jude sei. Er überreichte seine für diese Gelegenheit angefertigten Karten. Auf der einen Seite derselben waren G/s Name, Amt und Adresse gedruckt, aus der anderen Bibelsprüche über die Bedeutung des Tages auf französisch und hebräisch. Sein Name wurde so bald bekannt. Mehrere Juden fragten ihn nach seinem Vorgänger, 1 Missionar Ginsburg, von dem sie mit großer Achtung sprachen. Einige zeigten ihm Bücher und Traktate, die sie von diesem erhalten hatten. Aus den Bemerkungen am Rande und den Bleistiftzeichen konnte man ersehen, daß diese Schriften gut benutzt worden waren. Als Goldenberg einmal nahe bei einer Synagoge uorüberging, hörte er mehrere Juden sagen: „Hier kommt der Protestant!" In kurzer Zeit war er von einer großen Anzahl Juden umgeben, die ihn mit verschiedenen Fragen überhäuften: „Ist es wahr, daß England die Juden liebt? Glauben die Protestanten an Christum?" u. s. w. Goldenberg beantwortete ihre Fragen und bat sie in sein im Mittelpunkt des Iudenviertels liegendes Haus zu kommen, da das französische Gesetz Straßenpredigten nicht erlaubt. In Algier lebt eine Anzahl jüdischer proselyten, die der römischkatholischen Kirche angehören. Aber auch zwei protestantische Iudenchristen lernte Goldberg kennen. Er glaubte anfangs, daß die ersteren aus weltlichen Beweggründen gehandelt hätten, fand aber bei näherem Amgang, daß sie gute und fromme Christen waren. Sie versprachen, ihm in der Verbreitung des Evangeliums unter den Juden behülflich zu sein. Dank ihrer Unterstützung zählt er jetzt elf junge Juden zu den Besuchern seiner Bibelstunde. In der Sonntagsschule der amerikanischen Mission fand Goldenberg zu seinem Erstaunen viele jüdische Kinder, die mit der Erlaubnis ihrer Eltern kamen. Als er ihre Adressen erhielt, besuchte er die letzteren, welche ihn freundlich aufnahmen. Er fragte: „Fürchten Sie sich nicht, Ihre Kinder in die Sonntagsschule zu schicken?" „Ganz und gar nicht; sie lernen singen und die Bibel lesen", war die Antwort. Der Missionar sprach nun mit den Leuten über das eine Notwendige, und sie hörten sehr aufmerksam zu. Auch sonst hat er oft Gelegenheit, -Christum zu predigen. (The Jewish Intell. 1890 5. 5 f.)

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