Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 4 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Kinde gepredigt wurde, den verheißener? Messias zu sehen und auszurufen: „Nun lässest Du Deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen." (The Jewish Advocate 1(890 p. 8.) Kede bei der Haufe einer Profelytin. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen! Geliebte in dem HLrrn! Mir sind mit dieser Tochter Judas an diese heilige Stätte getreten, um sie nach empfangener Vorbereitung durch das Sakrament der heiligen Taufe in die Gemeinschaft unserer christlichen Kirche, ja, in den Gnadenbund mit dem dreieinigen Gott aufzunehmen. Ls sind nicht bloß äußere Umstände, welche ihr diesen Übertritt aus dem jüdischen in den christlichen Stand wünschenswert erscheinen lassen, sondern es ist auch der ganze Lntwickelungsgang ihres Lebens und, wie ich glaube, auch der aufrichtige Wunsch ihres Herzens, welche sie zu demselben veranlassen. Darum begrüße ich Sie an dieser Stätte mit herzlicher Freude und mit dem innigen Segenswunsch, daß der HLrr, unser Gott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der zugleich der Vater unsers HErrn Jesu Christi und durch ihn auch unser Vater ist, seinen reichen Segen auf diese hier zu vollziehende Handlung legen möge. Und er wird es thun, um so mehr thun, je richtiger und tiefer wir den Schritt fassen, den Sie jetzt zu thun im Begriffe sind. Dieser Schritt ist eigentlich weniger ein Übertritt, als ein Fortschritt zu nennen. Denn das wahre Judentum, wie es in den Schriften des Alten Testamentes uns vorliegt, und das Christentum, wie es uns darauf in den Schriften des Neuen Testamentes dargeboten wird, sie stehen zu einander nicht in einem starren Gegensätze, sie verhalten sich vielmehr zu einander wie die Wurzel zum Stamm, wie der Anfang zur Vollendung. Die Offenbarungen des lebendigen Gottes, welche das innere Wesen dieser beiden Religionen ausmachen, schließen einander nicht aus, sondern reichen einander die Hand. Darum sagt auch unser HLrr und Meister: „Das Heil kommt von den Juden." Der alte Bund ist die Wurzel, aus der der gewaltige Baum der christlichen Kirche erwuchs. Aber doch ist auch ein gewaltiger Unterschied zwischen den alt- und neutestamentlichen Stellen vorhanden. Jene beschränken sich mehr auf Lin Volk: in diesen sind die Pforten des Heiligtums aller Welt aufgethan. Jene haben mehr einen eigentümlich besonderen Charakter und erfüllen mit dem Geiste der Furcht: dieseführen die Menschen in die richtige Stellung zu Gott ein und geben einen Geist, der zur wahren Furcht führt, welche eine selige Gebundenheit in Gott ist. Der alte Bund hat nur den Schatten und die Vorbilder von dem Heile, dem Heilande und den Heilsgütern, der neue Bund aber das Wesen, darum stillt er nicht bloß das Sehnen des menschlichen Geistes, sondern führt ihn der reifsten Vollendung entgegen. Wer solches auch nur einigermaßen erkannt und erfaßt hat, den muß es ja hinein-