Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 4 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 An dem . dazu festgesetzten Tage fand eine Prüfung der Rinder durch die Rommissare statt, während ihre Eltern in einem Nebenzimmer Zeugen der Unterredung waren. Jedes Rind wurde einzeln vortzefordert und gefragt, warum es feine Eltern verlassen, und ob es zu ihnen zurückkehren wolle. Die Antwort lautete bei allen dahin, daß ziur die Liebe zu dem für alle Sünder und auch für die Rinder am Rreuze gestorbenen Jesu von Nazareth sie bewogen habe, von ihren Eltern sich zu trennen. „Wir wollen durch ihn allein selig werden," erklärten die drei Mädchen und beteten hierauf die von den Lhristenkindern gelernten Sprüche, das Unser-Vater und den zweiten Artikel. Da stellte man ihnen vor, daß sie als Lhristen schwer zu arbeiten und viel Haß von den Menschen zu erleiden hätten. Aber jene antworteten: „Arbeiten wollen wir gerne, wenn wir nur Rinder der Seligkeit werden. Man mag uns in der Welt verspotten und verachten, darnach fragen wir nichts: im Fimmel ist keine Schmach mehr, wenn wir nur bei unferm HErrn Jesu sein können, so wollen wir hier gerne alles leiden." Man versprach ihnen die schönsten Rleider und alles, was sie sonst begehrten, wenn sie wieder zu ihren Eltern gehen würden. Auch das machte keinen Eindruck. Nun ließ man die Eltern eintreten. Diese umarmten ihre Töchter weinend und baten sie, mit ihnen zu gehen. Aber die Rinder sagten: „In dieser Welt nicht mehr. Wir wollen lieber alles Elend, das erdacht werden kann, erdulden, als daß wir unsere Liebe gegen den HLrrn Iesum verlassen sollten." Auch als die Eltern vor den Rindern niederfielen, ihnen Hände und Füße küßten und sie mit vielen Thränen anflehten, mit ihrem Schmerz Erbarmen zu haben, ihren Vorsatz zu ändern und nicht an Thristum zu glauben, weigerten sich die Töchter, obwohl ebenfalls in Thränen aufgelöst, ihren Entschluß aufzugeben. Sie wollten nur dann zu den Eltern zurückkehren, wenn diese aufhören würden, Leinde Jesu zu sein. Alle Umstehenden wurden aufs tiefste bewegt, vollends als die Mutter ihrem Lieblingskinde, der Zweitältesten Tochter, um den Hals fiel und ihr zu Kerzen redete. Die Frau wandte sich dann an die Prediger und bat sie, die Rinder abzuweisen. Aufs neue versuchten dieselben, die Mädchen von ihrem Vorhaben abzubringen. Aber alles war vergeblich. Selbst das jüngste Rind sagte, es wolle lieber sein Leben verlieren, als von seinem allerliebsten Jesu lassen; dieser werde es annehmen, falls die Prediger es nicht thäten. Alle drei baten hierauf die letzteren, ihnen die Liebe zu erzeigen und sie im Christentum zu unterrichten. Sie fielen vor den Geistlichen nieder, bekannten nochmals ihren Glauben und beteuerten wieder, daß nur die Liebe zu Jesu sie dringe, alles zu verlassen, auch die Eltern. Auf den Wunsch der letzteren gewährte man ihnen eine weitere Unterredung mit den Rindern, zu der sie sich in ein Nebenzimmer zurückzogen, und die einige Stunden dauerte. Aber alle Vorstellungen, Bitten und Thränen konnten die Liebe zu Jesu, die in den Kerzen dieser jüdischen Rinder brannte, nicht auslöschen. Auch das wiederholte Zureden der Rommission vermochte deren Sinn nicht zu ändern. So nahmen denn endlich die Eltern