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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 4 (1890) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
4 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gin Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Ur. 4. 46. Jahrgang. 1890. Inhalt: Zwei Geschichten zu Psalm 8, 3. — Rede bei der Taufe einer proselytin. — Das Gebet im Namen Jesu. — Aus Jerusalem. — Zur Statistik. Zwei Geschichten;u Psalm 8, 3. i. Zm zweiten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts lebte in Berlin ein jüdisches Ehepaar, dessen 3 Töchter viel Umgang mit Lhristenkindern hatten. Die letzteren erzählten ihnen oft von dem Sohne Gottes, der auf die Erde gekommen und ein Rind geworden sei, bei der Beschneidung den Namen „Jesus" erhalten, als Mann den Kreuzestod erlitten und dabei die Sünden aller Menschen getragen habe. Sie sprachen weiter von der großen Liebe Jesu zu den Rindern, auch den jüdischen, und beteten ihren Zuhörerinnen den zweiten Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, das Gebet des HErrn und viele Bibelsprüche vor. Die kleinen Jüdinnen, die im Alter von zwölf, zehn und acht Jahren standen, waren bald imstande, das Gehörte wiederzugeben. Aber die Wirkung jener Belehrungen erstreckte sich noch weiter: es regte sich in den jüdischen Rindern ein herzliches Verlangen nach Gemeinschaft mit dem Erlöser und Seligmacher und nach der Taufe. Lines Tages erschienen die Drei im Hause des an der Marienkirche angestellten Predigers Ramaan, um diesem ihr Anliegen vorzutragen. Derselbe wies sie zuerst ab und ermahnte sie, zu ihren Eltern zurückzukehren. Da fielen sie vor dem Geistlichen auf die Rniee und baten ihn unter heißen Thränen: „Erbarmen Sie sich über Rinder, die an Zesum Thristum glauben wollen! helfen Sie uns, daß wir als getaufte Rinder dieses Jesu und seines Blutes teilhaftig werden!" Ramaan sah mit Verwunderung, wie es den Mädchen Ernst damit war, alles zu verlassen, um nur selig zu werden. Er versicherte ihnen endlich, daß er sie zu sich nehmen wolle. Die Gbrigkeit erteilte hierzu die Genehmigung. Nach kurzer Zeit erfuhren die Eltern, was geschehen war, und begaben sich zu dem Prediger, um ihre Rinder wieder abzuholen. Allein dieser glaubte nicht mehr eigenmächtig handeln zu dürfen und verwies auf das obrigkeitliche Urteil. Die Sache wurde einer von Rönig Friedrich Wilhelm I. ernannten, aus zwei reformierten und zwei lutherischen Predigern (ZcMonsky, Achenbach, pofsard und Thering) bestehenden Rommission zu genauer Untersuchung übergeben.

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