Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 3 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19 machen, daß ich einst einen solchen Zug des Herzens gehabt hatte, die genannten Worte auszusprechen und ohne Unterlaß zu wiederholen, und auch darüber, daß ich an dieselben noch immer denken mußte. Bei solchen Gedanken, die mich unablässig quälten, verurteilte ich mich immer in meinem Kerzen als einen Gottlosen, der gewiß eher eine goische als eine jüdische Seele habe. Dazu fiel noch im Lauf der Jahre immer etwas vor, was mich an das alles wieder erinnerte, und ich konnte nun einmal diese Gedanken und den Namen Jesu nicht los werden. Meine Eltern zogen aus dem Dorfe Krenioa nach der Stadt Suchiwola unweit der polnischen Grenze, wo die Eltern und die ganze Verwandtschaft meiner Mutter lebten. Daselbst ging ich schon lange in die Schule zu einem jüdischen Lehrer, der schon angefangen hatte, seine Kunst und Gelehrsamkeit in der Mischnah und im Talmud an mir zu zeigen. Ich unterlasse es, von den Gegenständen und der Art und Weise des talmudischen Unterrichts zu berichten, welcher zugleich schauderhaft und lächerlich ist: ich bleibe lieber bei der Hauptsache meiner Geschichte. Eines Morgens ging ich und ein zwei Jahre älterer Vetter von mir mit unserer alten frommen Großmutter zum Morgengebet in die Synagoge, wir mußten dabei an der römischen Kirche vorüber gehen, die mitten im Ning der Däuser auf dem Marktplatze stand. Als wir daselbst an einem Kreuze mit einem Kruzifix vorbeikamen, winkte uns die Großmutter, das „Schakkez teschakzennu“ aus 5. Mose 7, 26, wie wir gelehrt waren, herzusagen, was wir auch sofort emsig thaten. Aber mein Vetter that noch mehr: er spuckte auch noch aus, als er den Vers geendet, und ermahnte auch mich, dies zu thun. Doch die Großmutter verhinderte es und verwies ihm sein Benehmen, indem sie erklärte, daß es ein Unrecht sei, auszuspucken, weil der Talui (Gehenkte) ein großer, gelehrter, jüdischer Mann gewesen, der sich zum Gotte gemacht habe und nun dafür im Gehinnom hart gestraft werde, wenn nun ein jüdisches Kind vor ihm ausspucke, zu welcher Schmach er doch von Gott gar nicht verurteilt worden sei, so werden ihm in jener Welt dafür sehr viele von seinen Dualen erlassen. Folglich werde das Ausspucken für ihn anstatt einer Schmach gar noch ein Heil. wieder mußte ich an Jesus denken. Die Rede der Großmutter erinnerte mich wieder so lebhaft an alles Vorgefallene, daß ich in der Synagoge, anstatt zu beten, mich ausschließlich mit dem Namen des Talui beschäftigte. Freilich war ich zugleich in meinem Kerzen wie gefoltert, indem meine Gedanken mich mehr verklagten als entschuldigten. Ich schloß daraus, daß ich wahrscheinlich keine gute und reine Seele hätte. Das deutsche Kaiserpaar in Konstantinopel. Über den Besuch, den Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin im November v. I. dem Sultan abstatteten, schreibt der in der Hauptstadt des türkischen Reiches ansässige Missionar Lrighton-Ginsburg in „The J. Intellig.“ (^890 5. 7 f.): Die Anwesenheit des deutschen Kaisers in Konstantinopel wurde von allen Nationalitäten und Ständen der türkischen Hauptstadt freudig