Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 3 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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*8 Was empfindet nun wohl jetzt der Gerettete für seinen Retter? Das ist nicht schwer zu erraten. Lr mag in seinem Hause sitzen oder reisen, einsam1 fein; oder in Gesellschaft, im Geschäft begriffen sein oder auf dem Bette ruhen: des Retters Bild weicht nimmer von ihm, sein Andenken ist ihm unaussprechlich teuer, es übt einen heiligenden Einfluß auf ihn aus. Und wenn er an einem Winterabend den Wind heulen hört, wenn die Fenster erklirren beim ungestümen Wetter, dann kommt jener Sturm, jener Schiffbruch, jene Todesgefahr ihm wieder vor Augen, und gewaltiger noch ergreift ihn der Gedanke: „Lin Mensch starb für mich, nahm den Kelch der Todesschmerzen ans meiner Hand und trank ihn für mich. Ich lebe durch seinen Tod." Kein Tag im ganzen Jahre erregt solche wunderbare Empfindungen und Gedanken in dem Geretteten wie der Jahrestag seiner Rettung. Immer erklingt es in seinem Kerzen: „Ls starb einer für mich." Was wir nun jetzt als eine Begebenheit, die einen einzelnen betrifft, uns vergegenwärtigt haben, ist für einen jeden von uns in einem unendlich gesteigerten, höheren Sinne geschehen. Ihr, die ihr an den Heiland glaubt, die ihr in Jesu einen Seelenretter gefunden habt, laßt uns ihn betrachten, wie er sein Leben für uns niedergelegt hat! Seht, wie er aus dem Thore Jerusalems heraustritt, eine schwere Last auf seinen Schultern tragend! Es ist ein Kreuz: sein Totenbett. Das Kreuz wird auf den Boden gelegt, sein heiliger Körper darauf gestreckt. Ich höre den Schlag der Hämmer. Hände und Füße werden an das Holz genagelt. Das geschieht für mich! Für mich haben sie den Menschensohn erhöht, Hört, wie sie ihn verhöhnen und lästern! Lr erträgt es mit Geduld. Für mich erträgt Lr es! CD, welch ein Tod! Er wird von Menschen und Teufeln gepeinigt. Und alles dies geschieht für mich! Die Sonne verdunkelt sich, die Erde erbebt, die Gräber öffnen sich, der Vorhang im Tempel zerreißt. Und jetzt erschallt es vom Kreuze: „Ls ist vollbracht!" Meine Erlösung ist vollbracht! Ja, Bruder, deine Erlösung, wenn du sie von Lhristi Hand annehmen willst! (Rach: „Der Pilger", *888 Rr. *2.) Aus dem Nachlaß eines Heimgegangenen. (Schluß.) In den Kinderjahren konnte ich immer nicht begreifen, warum denn eigentlich meine Eltern so sehr über die Landleute zürnten, daß sie mich gelehrt hatten, den Namen Jesu auszusprechen, und inwiefern ich durch das Aussprechen jener Worte ein Goi (ein Heide) werden könnte, wie meine Eltern bei jeder Züchtigung mir vorhielten, indem sie mich zürnend fragten: „Willst Du ein Goi werden?" Ich fürchtete mich vor dem Gedanken, ein Goi zu werden, aber ich dachte immer, daß man doch ein Jude sein könne, auch wenn man diese Worte sage. Als ich später erfuhr, welche Bewandtnis es mit dem Namen Jesu und jenen Worten hat, mußte ich wieder und wieder an den obigen Vorfall denken und staunend mir die bittersten Vorwürfe darüber