Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 3 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r iht Wmech. |itt Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Ur. 3. — 46. Jahrgang. — 1890. Inhalt: (Er starb für mich! — Aus dem Nachlaß eines Heimgegangenen. (Schluß.) — Das deutsche Raiserpaar in Aonstantinopel. — Palästina — das bedeutendste Land der Erde. — Die Londoner Iudenmisfion in Breslau X88Y. — Empfangsbescheinigung. Gr starb für mich! Die Trümmer eines gescheiterten Schiffes schwimmen auf dem offenen Meere. Lin Teil der Mannschaft hat sich auf einen Kahn gerettet, der bis zum Sinken voll ist. Jeder Winkel ist besetzt. Da erscheint in einiger Entfernung noch einer, der den Schiffbruch überlebt hat. Mit Anstrengung arbeitet er sich durch die gewaltigen Wellen. Lr naht. Lr klammert sich mit Todesangst an den Rahn und bittet, man möge ihn einlassen. Aber umsonst! Mit Thränen, mit erstickter Stimme antwortet man ihm, daß es unmöglich sei. Auch nicht der kleinste Raum ist übrig. Rock hält sich jener am Rahn, aber die bebende Hand erschlafft mehr und mehr. Jede Hoffnung schwindet. In wenigen Minuten wird er sinken, von den wilden Wellen verschlungen. Die bittern Schmerzen des Todes umfangen ihn. Da ruft einer aus dem Rahn: „Laßt ihn herein! Lr soll meinen Platz haben. Laßt mich los! Dieser Mann da darf noch nicht sterben: er ist nicht vorbereitet, vor seinem Richter zu stehen, galtet mich nicht zurück! Ihm muß Zeit zur Buße werden. O, erbarmt Luch seiner Seele und laßt mich los!" Mit diesen Worten reißt er sich los von denen, die ihn zurückhalten wollen, und springt ins Meer. Lin Schrei des Entsetzens entfährt den Zurückgebliebenen. Aller Augen folgen ihm. Aber schon ist er gesunken, ohne alle Spur verschwunden, das wassergrab hat ihn umschlossen. Seine Stelle ist leer. Jener wird herein gezogen, erhält seinen Platz, ist gerettet und erreicht glücklich das Vaterland. Hier starb ein Mann für einen andern! Für ihn entsagte er allem, was ihm hienieden teuer war. Für ihn gab er sich in der Fülle des Lebens und der Rraft mit klarem Bewußtsein in den Tod. Für ihn gab er seinen Rörper den Wellen preis, der ohne Begräbnis von den Gewässern an irgendeinen fremden Strand gespült werden, oder im Meeresgrund ruhen wird bis zum Rufe der Auferstehung. Und was bewog ihn zu diesem ungeheuren Opfer? Liebe zu der Seele! Lr rettete das Leben, um die Seele zu retten. Jener war ihm völlig fremd, ehe sich beide auf das gescheiterte Schiff begaben. Dort erst lernte erden andern kennen. Dort hatte derselbe nichts gethan, um ihn sich irgendwie zu verpflichten: dennoch starb' er für ihn.