Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1890-01-01 · 2 (1890) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
2 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554970-2554973--08907-2564970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

*3 Tode wurde ich geboren und erhielt nun auch den Namen nach meinem Großvater. An meinen Namenstag wurde ich dreimal in früher Kindheit durch besondere Ereignisse erinnert. Des dritten Falles erinnere ich mich noch heute ganz genau, denn ich war schon drei Jahre alt. Ich wurde damals durch die übertriebene Frömmigkeit meiner Eltern sechs Monate lang dem Tode nahe gebracht. Meine Eltern aber hielten alles, was mich betroffen hatte, für ein besonderes Zeichen an mir und trugen sich wegen meiner mit großen Hoffnungen für die Zukunft. . Als ich etwa vier Jahr alt war, zogen meine Eltern aus Polen und ließen sich in Rußland nieder, in einem Dorfe Krenica nahe bei der großen Stadt Bialystock, wo sie das Gasthaus in Pacht nahmen. Daselbst pflegten die wohlhabenden Bauern des Dorfes sehr oft mit ihren Frauen bei uns vorzusprechen, wo sie auch gut aufgenommen wurden. Mit der Zeit gewannen die guten Leute mich lieb, brachten mir jedesmal schönes Obst, küßten und herzten mich und trugen mich oft mit nach Hause. Dabei ließen sie es sich aber angelegen sein, mir von dem HErrn Jesu, von Maria und Joseph zu erzählen. Sie lehrten mich den Namen des HErrn Jesu zu nennen und zu sagen: „Niech b^dzie pochwalony Jezus Chrystus!“ d. h.: Es sei gelobet Jesus Christus! Ich faßte diese Worte aus und wiederholte sie beständig, bis meine Mutter sie eines Tages von mir hörte und mit großem Erstaunen und Schrecken mir verbot, sie ferner auszusprechen. Aber diese Worte waren mir so angenehm, daß ich es für ein Unrecht hielt, mir dies so streng zu verbieten. Daher wiederholte ich jenen Gruß im Stillen doch fortwährend, wobei ich mich aber sehr oft vergaß und die Worte zu meinem Vergnügen laut aussprach. Meine Mutter bestrafte mich dafür wiederholentlich, und da auch dies bei mir nicht ganz fruchten wollte, so verklagte sie mich hart bei meinem streng frommen Vater und äußerte sich mit dem größten Unwillen über die Landleute, die mich so zu reden gelehrt und mir die Worte so eingeprägt hatten, daß ich trotz der Bestrafung davon nicht lassen möchte. Mein Vater drohte mir scharf, und als ich doch nachher einmal wieder dabei ertappt wurde, strafte er mich mit der Rute so empfindlich, daß ich von da an nicht mehr wagte den Namen Jesu auf die Lippen zu nehmen und jene Worte, auszusprechen. Aber gedacht habe ich, wenn auch mit großer Scheu, noch sehr lange daran. So geringfügig der ganze Vorfall an sich ist, so hat er doch beständig bis zu meinen reiferen Jahren großen Einfluß auf mich ausgeübt. (Schluß folgt.) Driefe an einen Israeliten. II. (vgl. Zahrg. *889 S. SK f.) Sie haben die Freundlichkeit gehabt, mir die Grundsätze der jüdischen Sittenlehre abzuschreiben, welche der Deutsch-Jsrgelitische Gemeindebund veröffentlicht hat. Sie werden es mir nicht verübeln,, wenn ich einige Bedenken über diese Sätze äußere.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.