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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 2 (1890) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
2 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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{2 wie er mir nachgegangen, mich geleitet, bis er mich mit schonendster Liebe zu seiner Erkenntnis gebracht und vom Tode zum Leben bekehrt hatte, da wurde sein gläubiges Herz über die Wunder der großen Liebe des Heilandes zu einem armen Sünder mächtig ergriffen und er forderte mich dringend und wiederholentlich auf, eine schriftliche Darstellung von dem ganzen Verlauf der Geschichte meiner Bekehrung zu dem Heiland zu geben. Nun dachte ich, zumal jetzt, da ich alt geworden, es wäre doch vielleicht gar eine falsche Bescheidenheit von meiner Seite, den Brüdern das vorzuenthalten, was, in Bruchstücken mitgeteilt, ihnen oft Freudigkeit verursacht hat. Und so entschloß ich mich endlich doch, soviel ich kann, Schritt für Schritt zu beschreiben, wie Gott der HErr mich zur Bekehrung so liebreich geführt und an mir in Erfüllung gehen ließ, was er 2. Mose 33, ^9 gesagt hat: „wem ich aber gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wes ich mich erbarme, des erbarme ich mich." So sei denn jetzt auch Gottes Ehre mein einziges Ziel und sein Ruhm mein Augenmerk. Ich flehe inbrünstig zu Gott, dem HLrrn, daß er mich, während ich in diesen Zeilen von mir selbst reden werde, vor aller Selbstsucht gnädiglich bewahren möge, daß er mich in der Wahrheit erhalte um seiner Wahrheit willen. Vielleicht darf ich auch hoffen, daß meine Geschichte etlichen Rindern meines geliebten, jüdischen Volkes Segen bringen kann, daß sie, wenn sie vernehmen, was Gott aus Liebe und lauter Gnade an einem sündigen Menschen wie mir gethan hat, dadurch gereizt werden, ernstlich nach der erlösenden, göttlichen Wahrheit zu forschen und von dem sie mit der ganzen Heilandsliebe suchenden Heiland sich endlich finden zu lassen. Sollten diese Blätter in die Hände christlicher Freunde Israels gelangen, so wird der Name des HErrn und seine unendliche Sünderliebe, seine grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit von ihnen gewiß hoch gepriesen werden. Das ist die einzige Absicht und der alleinige, tiefste Wunsch meines Herzens. Ich rufe mit lauter Stimme aller Welt zu: preiset mit mir .den HErrn und seine herzliche Barmherzigkeit! Denn Ihm allein gebührt die Ehre, der Ruhm und die Anbetung. Gelobet sei sein herrlicher Name , bis in alle Ewigkeit! —- Im Jahre wurde ich in einer Stadt im polnischen Litauen nahe bei der Grenze Masurens von jüdischen Eltern geboren. Von \ \ Rindern blieben meinen Eltern nur vier Söhne am Leben, von denen ich der jüngste war. Meine Brüder waren aber schon längst Familienväter, als ich geboren wurde. Meine Geburt verursachte meinen Eltern, wie sie mir nachher fort und fort erzählten und einzuprägen suchten, große Freude, denn daran knüpfte sich eine Voraussagung meines Großvaters, der ein Schüler des berühmten Rabbi Hesekiel Prager, Verfassers des bekannten Werkes „Noda Bihudah", und selbst als großer Gelehrter weit und breit bekannt war, dessen Frömmigkeit und große Renntnis der Geheimlehre, der Rabbala, sehr hoch gehalten und gepriesen wurde. Er sagte nämlich vor seinem Tode zu meiner Mutter: „Du wirst gewiß noch ein Rind gebären. Sollte es ein Rnabe sein, so gebet ihm meinen Namen!" Ein Jahr und drei Monate nach seinem

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