Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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seit \S Jahrhunderten immer umherirrt, immer geächtet, immer verfolgt worden ist, welches unsere Sitten und Gebräuche annehmen würde, wenn es durch unsere Gesetze uns einverleibt wäre, und dem wir feine Sittlichkeit durchaus nicht zum Vorwurf machen dürfen, weil sie die Frucht unserer Barbarei und der Erniedrigung ist, zu welcher wir es ungerechterweise verurteilt haben." Rabauts Forderung wurde erfüllt. Die französische Revolution emanzipierte neben den Protestanten auch die Juden. Mit Reckt erinnerte sich die jüdische Bevölkerung Frankreichs im vergangenen Jahr der vor einem Jahrhundert erlangten wohlthaten. In den Synagogen wurden allerorten besondere Jubiläumsgottesdienste abgehalten. Der in Paris angestellte Londoner Iudenmissionar Mamlock rühmt in „The Jewish Intelligence“ (1889 S. 129) den Israeliten nach, daß sie bei ihren Feiern Gott Dank geopfert haben, während dies bei der großen Jubiläumsfeier im Mai von seiten der Christen nicht geschehen sei. Dagegen läßt sich in „Le Christianisme “ (1889 Nr. 2\) eine Stimme vernehmen, welche wenigstens über die in der ersten Synagoge zu Paris veranstaltete großartige Feier kein günstiges Urteil fällt. In einer freundschaftlichen Erörterung (nach Sprüche 27, 6) der bei dieser Gelegenheit von dem Großrabbiner Zadok Rahn gehaltenen Rede vermißt der Artikelschreiber hier namentlich den Ton der Demütigung, welcher bei dem Israel der Vorzeit von der Feier der großen Befreiung des Volkes unzertrennbar war (Nehemia 8). Man erkenne an dem gerügten Mangel die tiefe religiöse Armut dieses Volkes, welches keine Opfer, keinen Propheten, keinen Messias mehr habe. Ls lasse sich durch äußeres Glück über die innere Leere trösten. Israels Ideal sei jetzt dasjenige Isaschars (C Mose ^9, ff-), denn die Festrede beglückwünsche die Revolution, daß sie den Juden eine beständige Sicherheit verschafft habe. Es ist möglich, daß die Redaktion von „Le Christianisme“ recht hat, wenn sie in einer Anmerkung annimmt, ein Rabbiner der alten Schule hätte anders gesprochen als Zadok Rahn; in seiner Rede hätte vielleicht ein Ruf zur Buße und eine Erinnerung an Gottes Gerichte, welche durch die Sünde herbeigezogen werden, nicht gefehlt. — Die Dankbarkeit der jetzigen Israeliten Frankreichs gegen die Männer der Revolution, welche den Juden die Menschen- und Bürgerrechte erkämpft haben, äußerte sich auch bei Gelegenheit der jüdischen Neujahrsfeier in der neuen pariser Synagoge Rue Buffault. ^ier wurde eine Gedenktafel aus schwarzem Marmor feierlich enthüllt, welche nachstehende Inschrift enthält: „Aux grands citoyens franijais, defenseurs du juda'isme: Malesherbes, Mirabeau, l’abbe Gregoire de Seze, Clermont-Tonerre, Duport. (Deeret de l’Assemblee nationale 28. janv. 1790.)“ Die Rosten zur Erbauung jener Synagoge hat Herr Osiris, der bekannte Philanthrop, gespendet. wann wird Israel endlich teilnehmen an den Freuden- und Dankfesten für die durch seinen Messias bewirkte geistige Befreiung der Menschheit? Wie der Anstoß zur bürgerlichen Emanzipation der französischen Juden von einem Protestanten ausging, so ist ihnen von