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Dibre Emeth · 1890-01-01 · 1 (1890) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
1 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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___ 2- Herzigkeit redet, so will die Liebe Gottes doch nicht so verstanden werden, als ob sie in schwächlicher Weichlichkeit über alle Sünden hinwegsehe, sondern sie ist gepaart mit der ernstesten Gerechtigkeit. Und wie Gottes Erbarmen sich zu dem Sünder kehrt, so gewiß kehrt sich sein Zorn gegen die Sünde. Und das Volk empfindet das auch und spricht es durch den Mund des Hohenpriesters aus. Aber was fordert die Gerechtigkeit Gottes? Wenn die Sünden Israels in ihrer Gesamtheit eine große Blutschuld in sich schließen, wie der HLrr durch Iesaia spricht: „Eure Hände sind voll Bluts", wen darf es befremden, wenn der starke, eifrige Gott nach dem Grundsatz handelt: „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Blut um Blut, Leben um Leben"? Und dementsprechend hören wir Gott sagen: „welche Seele sündigt, die soll sterben." Das ist das heilige Recht Gottes. Nun aber haben sie alle gesündigt, und es ist hier kein Unterschied, und alle müssen sie sterben. And das ist's, was die Barmherzigkeit Gottes nicht will. Darum, wie er -einstmals für Isaak sich ein Opfer ausersah, so ordnet er für das Volk Israel das stellvertretende Sühn- und Versöhnungsopfer an, ein blutiges Gpfer, denn „des Leibes Leben ist im Blut", sagt die Schrift. Darum geschieht „ohne Blutvergießen keine Vergebung." Aber wie? Rann der Ochsen und der Böcke Blut, kann das Blut der Tiere, die nichts verschuldet haben, eine wahrhaft gültige und wirksame Sühne für den Menschen sein? Dann müßte es auch im stände sein, eine völlige Umwandlung und Erneuerung des ganzen Volkes herbeizuführen. Aber sehen wir nicht im Alten Testament, wie unzählige Male das gerade Gegenteil eintritt, wie das Opfer zu einem geistlos und mechanisch geleisteten Werke wird, wie Gott, der HLrr, dieser Gpfer müde ist und sie nicht mehr leiden will? Nein, die Gpfer des alten Bundes, sie sind noch nicht die endgültige Versöhnung, sie sind der Schatten dessen, was zukünftig ist, sie sind ein ausgestreckter Finger, der wie Johannes der Täufer es bezeugt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!" Und des alten Bundes Propheten, sie reden davon mit unmißverständlicher Deutlichkeit. j)salm22, Iesaia 53 und viele andere Stellen zeigen uns den, der gestraft und gemartert ward, auf den Gott aller Welt Sünde warf, der sie hinauf- Lrug an seinem Leibe auf das Holz, da er ein Fluch ward für uns, wie denn geschrieben steht: „Verflucht ist jedermann, der am Holz hängt." Alles, alles, was über uns hätte kommen müssen um der Sünde willen, nicht nur die leibliche Not und Marter, sondern die innerliche Empfindung und Erfahrung von dem gerechten Zorn des heiligen Gottes, wie sie sich ausspricht in dem Angstruf des Gekreuzigten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" — hat er getragen. Das ist das Gpfer für unsere Sünden. Und mit diesem einen Gpfer ist eine ewige Erlösung erfunden, und mit diesem einen Opfer werden geheiligt alle, die an den Namen Jesu Lhristi glauben. Denn hier ist zuerst der rechte Hohepriester, der da ist heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher, denn der Fimmel ist, der keine Sünde gethan hat, und in des Munde kein Betrug

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