Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 12 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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95 Prophet meinte, er sei als Diener des wahren Gottes ganz allein übrig .geblieben. Trotz dieser Verderbtheit besaß das jüdische Volk doch das höchste Gut, welches die Welt damals in Ljänden hatte, nämlich die Von Gott geoffenbarte mosaische Religion. Es ist leider immer so gegangen, daß Menschenhände die ihnen anvertrauten Gottesgaben verderbten und mißbrauchten. So möchte ich Sie denn bitten, geehrter Herr: Sehen Sie doch das Christentum sachlich an! Das echte Christentum ist zwar auch an einzelnen Christen zu erkennen, und die Zahl der letzteren ist wohl nicht so ganz gering, wie Sie annehmen. Wie zur Zeit Elias hat der HLrr auch jetzt unter uns seine 7000 übrig bleiben lassen, die ihre Kniee nicht vor Baal beugen. Allein das sicherste und untrüglichste Mittel zur Erlangung eines richtigen Urteils über die christliche Religion ist ihre Lehre, welche ihren besten Ausdruck im Neuen Testament gefunden hat. wagen Sie es einmal, Ihre Vorurteile fahren zu lassen und das Buch aller Bücher sorgsam zu prüfen! Manchem Israeliten sind über solcher Beschäftigung die Schleier entzogen worden, die bis dahin seinen Blick getrübt hatten. Im Neuen Testament werden Sie auch bezeugt finden, daß Christo selbst bekannt war, wie in seiner Gemeinde neben aufrichtigen auch falsche Glieder sein würden, z. B. Matth. {3, 2\ ff. Dort werden sie weiter Aufschluß erhalten über die Erfüllung der Weissagung Iesaias von dem „Friedefürsten", z. B. Ioh. ^6, 33 und Röm. 8, J5 ff. von ganzem Kerzen wünsche ich Ihnen, daß Sie einmal das hohe Glück haben mögen, im echten biblischen Christentum die Vollendung des sich selbst als unvollkommen bezeichnenden (Ierem. 3\, 3\, ff.) biblischen Judentums zu sehen. Noch bemerke ich, daß die Ausbreitung der christlichen Lehren nicht eine Schwärmerei einzelner, überhaupt nicht aus menschlicher Willkür hervorgegangen, sondern eine Bezeugung des Gehorsams ist, den wir unserem Messias schulden. Ich verweise auf Matth. 28, j9 u. 20, auch 2. Timoth. \ ff. Lin schlechter Soldat, der seinem Vorgesetzten nicht gehorcht! Lin schlechter Christ, der nicht Mission treibt! Mne fünffache Taufe wurde, wie Wandsbecker Zeitungen berichten, am 6. September d. Is. in der dortigen Immanuelskapelle vollzogen. Fünf durch Pastor Bachert, den Stifter und Leiter des Wandsbecker Proselytenheims, unterrichtete junge Israeliten traten zu gleicher Zeit zum Christentum über. Die festlich geschmückte kleine Kirche vermochte nicht alle, welche an dieser seltenen Feier teilnehmen wollten, zu fassen, so daß viele vor der Kapelle dem Gottesdienst beiwohnen mußten. Nach einem Vorspiel auf dem Harmonium wurde der letztere mit dem Gesänge: „Gebeugt komm' ich zum Gnadenthron" eröffnet, hierauf sprach Pastor Bachert ein Gebet und ging dann zur Taufrede über. Er erinnerte die Täuflinge daran, wie viel sie durch diesen Schritt verlören, wie sie von Eltern und Geschwistern sich lossagen müßten, ja von denselben verstoßen würden. Aber bei alledem sollten sie nicht verzagen, sie hätten den HErrn Iesum Christum gefunden, der für uns alle gelitten und noch viel größere Schmach, erduldet habe. . An ihn sollten sie sich wenden^ wenn schwere Sorgen sie erdrücken wollten. Er werde sie nicht verlassen. Nach Beendigung der predigt wurde das Lied: „Gott ist die Liebe" gesungen, worauf ein kurzes Gebet folgte und dann der Taufakt begann. Der Geistliche richtete an jeden einzelnen Täufling die Frage: „Entsagest du dem Teufel und all' seinen Werken?" worauf