Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 12 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Einmal geschah es, daß in Suwatki von der Regierung eine großartige ^Untersuchung,, gegen die jüdische Bevölkerung eingeleitet wurde. Dieselbe stand in einem schweren Verdacht. G. wurde aufgefordert, ihre Schriften und Papiere durchzusehen. Er that es gewissenhaft und war imstande, für die Juden zu sprechen und' ihre Unschuld klarzulegen. Sämtliche Verhaftete und Verdächtige wurden daraufhin freigelassen. Die jüdische Bevölkerung war somit gerettet, wofür sie dem Missionar ihre Dankbarkeit nicht verhehlte. Schon in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit wurden durch G. viele Glieder seiner eigenen Familie, sowie Freunde und Bekannte dem Christentum zugeführt. Oft traten ganze Familien auf sein Zeugnis über. . Bald nach seiner Anstellung begann G. seine Missionsreisen, die ihn durch Rußland und Polen führten. Diese Reisen waren in damaliger Zeit sehr beschwerlich, da sie auf schlechten wegen zu wagen gemacht werden mußten und die Aufnahme der Missionare in den kleinen polnisch-jüdischen Städten ohne Gasthäuser meist eine unfreundliche war. Gerade hier aber zeigte sich bald die Bedeutung, welche G. als Missionar gewinnen sollte. In seltener weise verstand er es, die Juden in Unterredungen hineinzuziehen. Reine Mühe und Anstrengung scheute er, Tag und Nacht galten ihm gleich, wenn es sich darum handelte, die oft sehr hartnäckigen von ihren Irrtümern zu überzeugen. Mit Klugheit, Scharfsinn und Beredsamkeit verfocht er die Sache des Christentums, immer anknüpfend an die Schriften und Überlieferungen des jüdischen Glaubens. Die vielen Reisen, welche G. zuerst in Polen, später in Preußen und Österreich-Ungarn machte, trugen reiche. Früchte. Doch nicht nur mündlich predigte er das teure Evangelium mit Feuereifer: er arbeitete auch schriftlich und lieferte z. B. eine Übersetzung des bedeutenden, von Dr. M'Laul verfaßten Werkes „Nethibhoth-Glam" aus dem Deutschen in den jüdischen Jargon, welche in vielen tausend Exemplaren verbreitet wurde und noch heute von polnischen Juden sehr gerne gelesen wird. Die warschauer Thätigkeit dauerte bis zum Jahre j8H7. In diesem Jahre wurde G. nach seinem früheren Wohnort Suwatki versetzt, wo er bis zum Jahre ^855 im Verein mit Missionar Lange wirkte. Gerade weil er die Verhältnisse Suwatkis von früherer Zeit her genau kannte, auch viele alte Freunde und Bekannte hier lebten, wurde es ihm leicht, festen Fuß zu fassen und ein großes Feld der Wirksamkeit zu gewinnen. Als jedoch im Jahre J855 auf Befehl des russischen Kaisers die Londoner Missionsgesellschaft Polen und Rußland Verlassen mußte, da schlug für ihn die Abschiedsstunde, welche den treuen Zeugen für immer von seiner eigentlichen Heimat trennte. Er wählte das Städtchen Mletzko-Marggrabowa an der preußisch-russischen Grenze zu weiterer Wirksamkeit. Im herbst \858 wurde er von hier Vach Königsberg i. Pr., im Jahre \&<52 aber nach Breslau versetzt, wo er bis zu seinem Tode thätig war. In dem Haupte der Breslauer und posener Mission, Prediger Hartmann, fand G. einen gleichgesinnten