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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 11 (1889) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
11 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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87 Aus dev jüdischen Presse. Der Herausgeber der „populär-wissenschaftlichen Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen", Dr. Adolf Brüll in Frankfurt a. M., wünscht am Schluß einer am 28. Januar ds. Is. gehaltenen und in dem genannten Blatt mitgeteilten Rede: „Möge die Regierung des jugendlichen Kaisers eine glückliche und gesegnete sein, und mögen die geistigen Bestrebungen, die eine Versöhnung der Getrennten, eine Verbrüderung aller Stände und Konfessionen zum Ziele haben, unter seiner Regierung stets wachsen, blühen und gedeihen!" Man erwartet hiernach in dieser jüdischen Zeitschrift zum mindesten die allgemein zugestandenen Thatsachen anerkannt zu sehen, auf denen die christliche Religion beruht, wer eine Verbrüderung aller Konfessionen ersehnt, sollte doch wohl so viel Achtung vor dem fremden Bekenntnis haben, daß er dessen Geschichte nicht fälscht oder fälschen läßt. Leider hat es nun Dr. Brüll für gut befunden, seine Friedensliebe durch Bekämpfung jener Geschichtswahrheiten zu bezeugen. Ohne Anmerkungen der Schriftleitung werden in der diesjährigen Nr. 6 seines Blattes Äußerungen des Rechtsanwalts Lehmann in Dresden veröffentlicht, welche aller wirklichen Geschichtsforschung Hohn sprechen. Nachdem philo von Alexandrien als „der angebliche Christus" bezeichnet worden ist (5. 479), wird dem Stifter unserer Religion geradezu die Existenz abgesprochen. Da philo und Josephus nach Lehmann „nichts von Christus wissen und erzählen", gilt dies dem Dresdener Juristen „als Beweis dafür, daß Jesus überhaupt nicht gelebt hat" (S. jso). Selbst wenn die Voraussetzung, von der hier ausgegangen wird, richtig wäre, müßte diese Beweisführung eine leichtfertige genannt werden. Aber woher nimmt der Verfasser des Aufsatzes „Aus dem Schriftschatz der Juden" den Mut, zu behaupten, daß jene beiden jüdischen Schriftsteller von Jesu nichts wissen? Daß Josephus ausdrücklich von Jesu redet, haben wir erst kürzlich in einer Äbwehr der Angriffe von Dr. Rosenzweig gezeigt („Dibre Lmeth" ^889, S. 6q.). wenn er nicht noch weitere und wenn philo garkeine Beiträge zur Geschichte des Erlösers liefert, so kann doch kein besonnener Forscher daraus folgern, daß beiden Männern die genauere Kenntnis, bezw. die Kenntnis derselben überhaupt gefehlt haben müsse. Auf Grund der vorhandenen zuverlässigen Zeugnisse von der schnellen Ausbreitung des Christentums ist vielmehr anzunehmen, daß wenigstens von Philo ein immer noch beliebtes Mittel zur Unterdrückung einer Thatsache angewandt wurde: der versuch, sie totzuschweigen. In derselben Nummer seiner Zeitschrift (S. *90) bespricht Dr. Brüll ein Buch von Israel Sack, in welchem das Christentum vom Lffäismus abgeleitet wird. Er nennt die hierauf bezüglichen Aufstellungen des Verfassers einen „mit großer Klarheit geführten Nachweis." Indem er dann weiter auf die angeblich durch „recht triftige" Gründe gestützte Meinung Sacks, daß Jesus der vom Tode auferstandene Johannes war, zu sprechen kommt, giebt er zwar zu, daß diese Annahme („Johannes und Jesus nur eine und dieselbe Persönlichkeit!") noch mancherlei Bedenken unterliege, hält sie aber doch für „in hohem Maße beachtenswert!" wie ist es möglich, so fragen wir uns bei diesen beiden Proben jüdischer Gelehrsamkeit, daß man solche Träume der Aufnahme in ein für Gebildete aller Konfessionen bestimmtes Blatt würdigen konnte? Daß derartige Dinge nicht geeignet sind, der Frankfurter Zeitschrift bei geschichtskundigen Christen zur Empfehlung zn dienen, liegt auf der Hand. Die wahre Wissenschaft hat mit den Behauptungen der Herren Lehmann und Sack nichts zu schaffen. Ebensowenig wie die Wahrheit wird die Liebe auf diesem Wege gefördert. Zur Kenntnis de» jüdischen Kchrifttirnrs. Nach den Forschungen von Dr. E. Landau (Zürich, L. Schmidt, *888) kommen in den altrabbinischen Schriften 57 Ausdrücke zur Bezeichnung Gottes vor, besonders oft: „Fimmel", „Ort", „Wohnung" (Schechina). — Wie der Prov.-Rabbiner Dr. Munk in Marburg angiebt, treten im/ Talmud 2208 Personen fragend, antwortend, lehrend, erzählend oder sonst irgendwie redend auf. (Im Alten Testament zählt man mehr als z 500 Namen für Männer und Frauen.)

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