Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 11 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 von welchem Christus selbst sagte, er sei gekommen, nicht um es auszulösen, sondern um es zu erfüllen." „Wie können Sie glauben", fragte der Jude weiter, „daß der Sohn eines Weibes der Sohn Gottes ist?" Der Missionar wies nun darauf hin, daß Micha den Messias, der in Bethlehem geboren werden sollte, den von Anfang, von Ewigkeit her Lebenden, daß ein anderer Prophet ihn „El Gibbor", einen allmächtigen Gott, genannt habe. Dann erklärte er ihm noch mehrere andere Stellen mit Bezug auf Christi Geburt, Leiden, Tod und Auferstehung und nötigte seinem Zuhörer damit das Geständnis ab: „Ich habe nie gehört, daß das Christentum solche Beziehungen zum Alten Testament hat." Aber auch in Deutschland, dem Lande der Bildung, trat dieselbe Unwissenheit zu Tage. Llsässische Juden, mit denen Missionar pick verkehrte, und denen er die Übereinstimmung des Neuen Testaments mit dem Alten nachzuweisen suchte, gaben zu, daß sie mit dem ersteren nicht bekannt seien. Möge des Herrn Segen die Bemühungen der Londoner Gesellschaft und aller anderen Vereine auch fernerhin krönen! Möge Sein Geist die schwachen und geheimen Gläubigen stärken und zu mutigen Bekennern machen, die Ungläubigen überwinden, daß sie sich beugen unter das, was sie jetzt noch verspotten oder doch als etwas Gleichgültiges ansehen! Eine große Hilfe für die Missionsarbeit ist die Fürbitte für ihre Zöglinge. Lin proselyt wurde von seiner jüdisch gebliebenen Frau aufgesucht und dringend gebeten, seinen neuen Glaubensstandort wieder zu verlassen. Sie überbrachte ihm zugleich Briefe jüdischer Freunde und eines Rabbiners, die ebenfalls den Zweck verfolgten, ihn dem Christentum wieder abwendig zu machen. Da verbanden sich die christlichen Freunde des Mannes zur Fürbitte für seine Gattin. Ihre Gebete fanden Lrhörung. Die Überredungskünste der Frau richteten nichts aus, vielmehr wurde sie selbst für den Heiland gewonnen. Lassen wir den Gebetseiser nie erkalten! „Bete und arbeite!" muß es auch bei unserer Thätigkeit heißen. Sende michich bin bereit! Hast du Jesu Ruf vernommen: „wer will heut' zur Arbeit geh'n? Seht, die Ernte ist., gekommen, Reif im Feld die Ähren steh'n." Allen gilt des Meisters Frage, Der einst lohnt in Ewigkeit, O, wer ist, der zu ihm sage: „Sende mich, ich bin bereit!?" Rannst du nicht das Meer durcheilen, Armen Heiden zugewandt: Um dich her noch viele weilen, Denen Jesus nicht bekannt. Rannst du wenig nur verwenden, Sollt' es nur ein Scherflein sein: Auch die kleinste deiner Spenden Ist dem Heiland nicht zu klein. Rannst du nicht mit heil'gem Feuer Reden wie einst Paulus that: Sagen kannst du, wie dein treuer Heiland dich erlöset hat. Rannst du nicht die Sünder rühren, Daß sie dem Gericht entfiieh'n: Rleine Rind lein kannst du führen Zu dem Rinderfreunde hin. Wer du bist, o laß dich werben! wehe, wer den Ruf verwarf, Während Seelen rings verderben Und der Meister sein bedarf! Ganz dem HErrn dich hinzugeben, Sei dir Lust und Seligkeit. Sag' ihm ohne widerstreben: „Sende mich, ich bin bereit!" l. March („Im Heiligtum", S. 2^0 f.).