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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 11 (1889) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
11 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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82 Man erlaubte ihm, die Bergpredigt vorzulesen. Diese machte nun einen so günstigen Eindruck auf die Zuhörer, daß sie dem Kolporteur nicht nur einige Bücher abkauften, sondern ihm auch Erfrischungen anboten und einen Gegenbesuch versprachen. — Zu Weihnachten erhielt Missionar Bernstein in Frankfurt a. M. von einem Juden, dem er ein Neues Testament gegeben hatte, ein Glückwunschschreiben, in welchem folgende Sätze Vorkommen: „Das erhabene christliche Fest, die Geburt des Welterlösers, der die Religion inniger Liebe und reiner Sittlichkeit begründete und Finsternis und Roheit vertrieb, ist nicht nur das Fest aller Feste, sondern auch dasjenige, welches ein denkendes und fühlendes Herz am meisten anspricht. Selbst die Jahreszeit, in welcher die ganze Pflanzenwelt tot und kalt daliegt, scheint uns den erhabenen Gedanken zu geben, daß der Erlöser in die Welt kam, um allein durch seinen Tod dem ewigen Tode ein Ende zu machen und den Gläubigen zur Erlangung des ewigen Lebens zu helfen. Wie glücklich ist das Herz, welches sich in diesen Tagen mit dem großen Geheimnis der Erlösung beschäftigt!" — „Wenn Ihr zugebt, daß Jesaia ein Prophet war, könnt ihr nicht leugnen, daß Lhristus der verheißene Erlöser ist", sagte ein jüdischer Besucher der Bibelstunden von Missionar Händler in Wien zu andern Juden. Früher war derselbe Mann ein entschiedener Zweifler. — Der Verfasser einer Gegenschrift gegen die „Ernsten Fragen" von Professor Delitzsch sprach gegen Händler die Ansicht aus, daß das Judentum im verfall begriffen sei und nicht mehr lange bestehen könne. Gewisse Gründe halten ihn vom Übertritt zurück, aber er wünscht, daß sein zehnjähriger Sohn im Lhristentum erzogen wird, und bat deshalb die Londoner Gesellschaft um Aufnahme des Knaben in ihre Missionsschule. — „Das Lhristentum muß wahr sein", erklärte ein jüdischer Leser des Neuen Testaments in Paris, „denn dies Buch hat meine Gedanken und Überzeugungen völlig geändert. Statt das Lhristentum zu verachten oder zu hassen, was ich früher that, sollte jeder thun, was ich jetzt thue: es lieben. Ls nährt eine solche Liebe zu uns und unserm Volk, daß es unmöglich ist, dies Buch anders anzusehen, denn als ein göttliches." — Welche Wandlung sich in den letzten Jahrzehnten unter den Juden Ungarns vollzogen hat, ersieht man aus folgenden Worten eines nahezu siebzigjährigen Greises: „Ich erinnere mich, daß ein Rabbiner im nördlichen Ungarn einen Juden in den Bann that, weil er seinen Kindern erlaubte, ungarisch zu lernen, heutzutage liest mancher Rabbiner das Neue Testament, und mehrere Glieder der Familie des eben erwähnten Rabbiners sind sogar gegenwärtig Lhristen." In verschiedenen Gegenden des Landes gestattete man den Juden früher die Niederlassung nur unter der Bedingung, daß sie an Sonn- und Festtagen eine christliche predigt hörten. Jetzt kaufen Juden das Neue Testament für Geld und verleihen es an Bekannte, damit sie es lesen. So war auch jener alte Israelit zur Bekanntschaft mit diesem Buch gelangt. — Eine dem Lhristentum zuneigende jüdische Handwerkerfamilie befand sich in tiefer Bekümmernis, als ein Bukarester Missionar sie besuchte. Zwei Tage

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