Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 11 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(MM Eilt Monntvblntt für Israeliten und Freunde Israels. V Sr. N j_ 45. Jahrgang. — 1889. Inhalt: Der 81. Jahresbericht. — fcnbe mich, ich bin bereit! — Aus der jüdischen Presse. — Zur Kenntnis des jüdischen Schrifttums. — Zur Statistik. — Neue Missionszeitschriften. — Empfangsbescheinigung. — Gottesdienste. Der 81. Jahresbericht der Londoner Iudenmissionsgesellschaft enthält zahlreiche Belege dafür, daß es immer noch Israeliten giebt, welche sich von der im Neuen Testament wirksamen Macht der Wahrheit angezogen fühlen, und daß es auch an solchen nicht fehlt, welche sich ungeachtet aller Hindernisse von ihr völlig überwinden lassen. Tin alter Jude durchforschte acht Jahre lang das Neue Testament. Das Ergebnis seiner Untersuchungen war das Bekenntnis: „Ich bin davon überzeugt, daß Jesus der verheißene Messias ist. Diele Meissagungen, besonders Iesaia 53, sind nur auf Iesum anwendbar, nicht auf einen noch zu erwartenden Messias." Er wurde in der Synagoge einmal zum Lesen der parasche aufgerufen, während er gerade das Neue Testament las. Als er nun versuchte, es schnell in die Tasche zu stecken, fiel es auf den Boden. Man entdeckte es und verfolgte den Besitzer, der sich genötigt sah, in eine andere Stadt zu fliehen. — Eine Jüdin, deren Bruder sehr gegen ihren und ihres Vaters Willen getauft worden war, lernte das Neue Testament kennen und gewann so eine andere Anschauung von seinem Übertritt. „Jetzt verstehe ich meinen Bruder", sagte sie. „Welchen Frieden und Trost hat mir nicht schon dies Buch verschafft! Ich lese es gerne, obwohl ich es nicht ganz verstehe." Bei der Geschichte von der Kreuzigung Jesu rief sie aus: „Du guter, guter Jesus! Du bist in der That ein großer Mann gewesen, denn du betetest für deine Feinde. Ein solcher Mann kann ' kein Betrüger sein." Nur der Wunsch, ihrem alten Vater neuen Kummer zu ersparen, hält sie vom öffentlichen Bekenntnis ihres Glaubens ab. — Missionar Bachert in Hamburg wurde von einem jüdischen Optiker um drei Neue Testamente gebeten. Dieser Mann und zwei seiner Verwandten hegten den Wunsch, an einigen Abenden in der Woche sich mit den Urkunden der christlichen Religion eingehend zu beschäftigen. Ein Vetter von ihnen, der zwei Jahre vorher von demselben Missionar mit dem kleinen Buche beschenkt worden und in Kanada zur christlichen Kirche übergetreten war, hatte sie durch einen diesen Schritt rechtfertigenden Brief bewogen, das Neue Testament mit dem Alten zu vergleichen. — Ein Frankfurter Bücherbote wurde in dem Hause eines Juden zuerst recht unfreundlich aufgenommen. Aber sein ruhiges Benehmen und seine freundlichen Worte entwaffneten die Gegner.