Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 10 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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77 schottischen Hauptstadt angestellte Pastor Blumenreich, ein christgläubigev Israelit. Wie der letztere zum christlichen Glauben gekommen ist, erzählt er selbst in seinem schon in 6. Auflage erschienenen Buch: „The^ Missionary“ rc. Vgl. „The Jewish Intelligence“ 1889, S. ^5. Geboren von strenggläubigen jüdischen Eltern in der Provinz Posen,, brachte er seine Lehrzeit als Buchbinder in Berlin zu und kam dann zu einem frommen christlichen Meister, welcher nahe bei Elberfeld' wohnte. Hier lernte er das lebendige Christentum kennen. Das gelebte Evangelium war wieder einmal mächtiger als das gepredigte, und nach Verlauf einer angemessenen Zeit wurde der junge Mann durch die heilige Taufe in die Kirche Christi ausgenommen. Dieser Schritt trennte ihn von seiner Mutter, seinen Schwestern und Freundem (Sein Vater war gestorben, als er noch ein Kind war.) Seine Mutter schrieb ihm einen höchst rührenden Abschiedsbrief'. „Du bist die Ursachealler meiner Schmerzen . . . Hast Du nie von Leuten gehört, die den Gott ihrer Väter verließen, wie sie für ihre Thorheit schwer leiden mußten? Einige von diesen Abtrünnigen sind Bettler geworden, und so wird es vielleicht auch mit Dir sein. Aber wenn Du einmal entschlossen bist, ein Lhrist zu werden und mich ohne Trost und Hoffnung, zu lassen, dann müssen wir uns trennen, und Du darfst mich nie wieder mit dem Namen „Mutter" anreden, während ich Dich immer als meinen Sohn verleugnen werde." Das war ein furchtbarer Schlag, für den jungen Christen! Von geliebten Menschen verstoßen zu werden, ist eine Erfahrung, welche manche proselyten machen müssen^ Blumenreich schreibt: „Es ist mein Vorrecht gewesen, während der letzten 20 Jahre mit nicht wenigen in Berührung zu kommen, die mit Simon Petrus sagen konnten: „HErr wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt!" Nach seiner Taufe begab sich Blumenreich nach England und» wurde in die proselytenanstalt auf dem Palästinaplatz in London ausgenommen, wo er vier Jahre lang sein Handwerk, die Buchbinderei, ausübte. Bald darauf erfüllte sich sein Herzenswunsch, das- Evangelium predigen zu dürfen. Als Stadtmissionar in Ldinburg sammelte er allerlei Erfahrungen, welche in dem oben erwähnten Buche erzählt werden. Er sah es immer als ein besonderes Vorrecht an, wenn sich ihm Gelegenheit bot, die Freudenkunde von der Erlösung einem Juden bekannt zu machen. Er wünscht bekehrte Juden zu gewinnen, die Grund geben können von der Hoffnung, die in ihnen ist, die durchdrungen sind von der erlösenden Wahrheit des Evangeliums und vorr dem Geist des Meisters getrunken haben, nicht bloß getaufte Inden, die viel Unheil anrichten können. Über die Iudenmission schreibt er: „Laßt uns den Juden das Evangelium in aller Einfachheit und irr allem Ernst, in dem Geist christlicher Liebe und Geduld predigen, und laßt uns nicht zu begierig sein, eine große Liste getaufter Juden in unseren Jahresberichten vorzulegen! Viel Gutes ist schon durch unsere Missionsarbeit unter den Juden gewirkt worden. Sie verstehen die christliche Religion jetzt viel besser als vor 20 oder 50 Jahren. In