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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 10 (1889) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
10 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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78 meiner Jugend wurde ich sorgfältig unterwiesen, den Namen Jesu zu. verfluchen und jedes Neue Testament oder christliche Buch, welches ich in die Hände bekommen konnte, zu verbrennen. Jetzt liegen die Sachen ganz anders, denn viele Juden besitzen nicht nur das Neue Testaments sondern sind auch mehr oder weniger mit seinen Lehren bekannt. Aber die Kirche darf von. unfern Missionaren nicht zu viel erwarten. Sie sind nur die Werkzeuge in Gottes Hand, um die Grundsätze der erlösenden Liebe zu verbreiten und den geistlichen Tempel bauen zu helfen." Blumenreich würde es am liebsten sehen, wenn in der Iudenmissioir immer ein Christ und ein Jude zusammen auf einem Felde arbeiteu würden, damit sie sich gegenseitig stärken und beraten könnten. Große Bedeutung schreibt er den Bemühungen einzelner Christen zu, das Evangelium dem Volke Israel nahezubringen. „Im allgemeinen sind die Juden viel williger, den freundlichen Worten von Laien zuzuhören als den Trägern des Amtes, Habe ich nicht Ursache Gott dafür zu. danken, daß er mich mit einem Kreise frommer Männer in Berührung brachte, von denen ich den ersten Unterricht im christlichen Glauben erhielt?" Der verspottete Spötter. Im Eisenbahnwagen hatte ich ein religiöses Gespräch mit einem mir gegenüber sitzenden Herrn. Ls handelte sich um die Frage nach der Gewißheit in göttlichen Dingen, plötzlich nahm ein Herr, der in der Ecke saß, das Wort und sagte: „Dummes Zeug! Ls giebt keinen Gott." Ls war ein Jude, der so keck und dreist seinen Atheismus bekannte. Ich wandte mich nun zu ihm und fragte: „Kennen Sie die Psalmen?" „CD ja," erwiderte er. „In den Psalmen stehen schöne Sachen," fuhr ich fort. Er nickte Beifall. Ich: „Da ist ein Psalm, welcher lautet: „Die Thoren sprechen in ihren Kerzen: Ls ist kein Gott! Sie taugen nicht und sind ein Greuel mit ihrem Wesen."" Das Wort saß, und die anderen Herren sahen den Atheisten mit spöttischem Lächeln an. Er war etwas tief, wie man sich ausdrückt, hineingefallen. (viedebantt, Apologet. Anekdoten. S. 26.) Kurst Kismark und der AnILfernLttsrnus. Im November s66s erklärte der deutsche Reichskanzler einem jüdischen Bekannten gegenüber: „Ich mißbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Juden, sei es daß er auf konfessioneller oder gar auf der Grundlage der Abstammung sich bewege. Mit gleichem Rechte konnte man eines Tages über Deutsche von polnischer oder französischer Abstammung herfallen wollen und sagen, es seien keine Deutschen. Daß die Juden sich mit Vorliebe mit Handelsgeschäften befassen, nun, das ist Geschmackssache. Durch ihre frühere Ausschließung von anderen Berufsarten mag das wohl begründet sein. Aber „sicherlich berechtigt das nicht, über ihre größere Wohlhabenheit jene aufreizenden Äußerungen zu thun, die ich durchaus verwerflich finde, weil sie den Neid und die Mißgunst der Menge erregen. Ich werde niemals darauf eingehen, daß den Juden die ihnen verfassungsmäßig zustehenden Rechte Ln irgendeiner weise verkümmert werden. Die geistige Organisation der Juden im allgemeinen macht sie zur Kritik geneigt, und so findet man sie wohl vorzugsweise in der Opposition. Aber ich mache keinen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Gegnern meiner Wirtschaftspolitik, die ich nach meiner Überzeugung als ersprießlich für das Land verfechte."

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