Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 9 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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lind nichts zu berichten. Im Briefe an die Römer, Kapitel vergleicht paulus die gläubig gewordenen Heiden mit einem wilden Glbäum, welcher in den edlen Glbaum Israel eingepfropft worden ist. Das ist das Gegenteil von dem, was jeder Gärtner thut, hier wiein Palästina, und man hat daher nach Beweisen gesucht .für diesem umgekehrte Verfahren, welches paulus gleichnisweise.vorführt. Ichhalte das für eine überflüssige Mühe und bin wie manche Schrifterklärer der Meinung, daß paulus hier mit Absicht das ungewöhnliche, entgegengesetzte Verfahren zum Gleichnis nimmt und daß er darauf auch ausdrücklich hinweist mit den Worten Vers 2\\ „Denn so du aus dem Älbaum, der von Natur wild war, bist ausgehauen undwider die Natur in den guten Glbaum gepfropft rc." Ist doch eberr das des Apostels großer Hauptgedanke in seinem letzten Abschnitt des- Römerbriefs, der den Ausblick thut in die Zukunft des Reiches Gottes, daß Gottes Gnade von Anfang wider menschlicken Anspruch, widev menschliche Regel und Natur die Erwählung hat walten lassen. „So liegb es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern allein an Gottes Erbarmen." Dazu fügt es sich wohl, daß er auch ein kühnes- Gleichnis verwendet, welches nicht hergenommen ist von dem, wie esnach der Natur der Bäume gemacht wird, sondern wider die Natur. (Neueste Nachrichten a. d. Morgenlande. *888. 5. 98 ff.) Kleine jüdische Chronik. Zwei hervorragende Breslauer Professoren erhielten von der Akademieder Wissenschaften in Berlin Ehrengaben: der Philosoph Freudenthal *500, dev Physiologe Auerbach 2000 Mark. — Auch die jüdische Gemeinde in Berlin lägt jetzt an den Nachmittagen der Sabbathe Iugendgottesdienste abhalten. — An dev Berliner Universität studierte in diesem Sommer ein Kandidat der Medizin, welchev sich rühmen darf, daß einige Zeit hindurch kein Geringerer als der jetzige Kaisev aller Reußen, Zar Alexander III., sein Hauslehrer war. Als zur Zeit desrussisch-türkischen Krieges sich das Hauptquartier in plojeschti (Rumänien) befand^ wohnte der Großfürst-Thronfolger bei dem jüdischen Bankier Jakob Nissim. von. Frau Nissim, einer Meisterin des Klavierspiels, ließ sich der Thronfolger, welchev ein leidenschaftlicher Musikliebhaber ist, auf dem Flügel zu seinen Liedern begleiten^ wie er seine geschulte schöne Baritonstimme auch heute noch in Mußestunden erschallen lassen soll. Lines Tages erzählte die Dame dem Thronfolger, welchem Ärger ihr ein kleiner Neffe, der bei ihr erzogen werde, bereite, da der Junge, ein- Guartaner, für seine lateinischen Arbeiten die schlechtesten Noten nach hause^ bringe. „Ich werde ihm Nachhilfe erteilen", sprach der Großfürst. „Lassen Sieden Knaben zu mir kommen!" Und wirklich beaufsichtigte Rußlands künftigev Kaiser die lateinischen Aufgaben des kleinen Ouartaners mit einer solchen Gewissenhaftigkeit, daß der Lehrer ob der plötzlichen Fortschritte seines Schülers gan;. erstaunt war. Mehrere Wochen lag das Hauptquartier in plojeschti, und bis zum Aufbruch erfüllte der Thronfolger treulich die übernommene Verpflichtung. Denv jetzigen Kandidaten der Medizin, der damals ein Knabe von \o Jahren war, ist noch heute der fürstliche Aufenthalt in lebhafter Erinnerung. So litt der Großfürst: häufig an Kopfschmerzen. Wenn es nun geregnet hatte, eilte ev auf die Straße,, stellte sich unter die Traufe und ließ sich den Kopf vollregnen, indem er dies für ein vorzügliches Heilmittel erklärte. Auch die große Liebe zu den Seinigen kamin vielen Zügen zum Ausdruck. So baute er in seinem Zimmer, nachdem er es eben betreten, sogleich die aus Petersburg mitgebrachten photographieen der Seinigen. auf. Oft sandte er, während er bei seinem Vater oder beim höchstkommandierenden, dem Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch, verweilte, zu Nissims, um nach Briefeir.