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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 9 (1889) · page 8

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Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
9 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 aus Petersburg fragen zu lassen. Von dort bekam er auch immer die neuesten Kompositionen und Bücher nachgesandt, und über beides machte er sich sofort her. Beim Abschied verehrte er Frau Nissim ein prächtiges Armband und seinem Schüler schenkte er einige naturwissenschaftliche Werke in französischer Sprache mit der Ermahnung, etwas Tüchtiges zu werden und, falls er einer Hilfe bedürfen sollte, wo und wann immer es fei, sich an ihn zu wenden. — Dem Düsseldorfer Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden gehören Gemeinden und Mitglieder an. Die Iahreseinnahme betrug zuletzt 633 Mark, die Zahl der Lehrlinge, für die Sorge getragen wurde, 97. — In Bayern, Württemberg und Elsaß-Lothringen beziehen die Israeliten aus der Staatskasse Zuschüsse zu ihren Kultuskosten. Bayern trägt jährlich *4000, Württemberg 27 soo Mark bei. In den Reichslanden wurden für diesen Zweck jüngst j6j 300 Mark bewilligt. In Hessen-Darm st adt bewerben sich die Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden um Gewährung der gleichen Unterstützung. Der der israelitischen Schule in Aachen aus der dortigen städtischen Kasse gezahlte Beitrag wurde von 3000 auf ^000 Mark erhöht. — In Bochum fand in der Pfingstwoche eine Zusammenkunft deutscher Antisemiten statt, bei der sich auch einzelne Ausländer als Gäste einstellten. Die Versammlung nahm \6 „Grundsätze" und den Parteinamen „Antisemitische deutsch-soziale Partei" an. Dr. Böckel aus Marburg, auf dessen Charakter eine kürzlich stattgehabte Gerichtsverhandlung ein schlimmes Licht wirft, und einige seiner Gesinnungsgenossen trennten sich von der Mehrzahl, da ihnen diese zu gemäßigt auftrat. — Lin angesehener Kaufmann in Wandsbeck hatte am Eingang seines Gartens eine Tafel anbringen lassen, auf welcher mit großen Buchstaben die Worte gemalt waren: „Juden dürfen hier nicht eintretenl" Die Wandsbecker Polizei hatte, demselben auferlegt, die. Tafel fortzunehmen, und ihm außerdem einen Strafbescheid zugehen lassen,- durch welchen er in eine Geldbuße genommen wurde. Gegen diesen hatte der Kaufmann Einspruch' erhoben. Die Sache kam am 7. Juni vor dem Schöffengericht zu Wandsbeck zur Verhandlung. Der Kaufmann wurde nach eingehender Beweisaufnahme, dem Anträge des Amtsanwalts gemäß, wegen „groben Unfugs" zu der erstverfügten Geldstrafe verurteilt.— Den Redakteur des „Vaterland", Dr. Sigl in München, traf wegen eines antisemitischen Spottgedichts, den Herausgeber einer Luxemburger Zeitung wegen Beschimpfung der jüdischen Religion durch Angriffe auf den Talmud eine gleiche Strafe. — In Paris luden Antisemiten zur Bildung eines Vereins ein. Der Aufruf wandte sich zunächst an die Wähler des Seine-Departements. — Die israelitische Allianz in Paris nahm i. I. *888 7HH 076 Fr. ein und gab 602 099 Fr. aus. — Seit kurzem vertritt eine in London erscheinende Vierteljahrsschrift „The Jewish Quarterly Review“ das wissenschaftliche Judentum Englands. Die Herausgeber heißen S. Abrahams und C. G. Montefiore. — Bei der Anwesenheit des Schahs in London veranstaltete Sir Albert Saffoon ein Fest zu Ehren desselben. Die Familie Saffoon stammt aus Bagdad, wo der Gründer des zur Zeit weltbekannten Bankhauses, David Saffoon, geboren wurde. Seine sechs Söhne gründeten Geschäftshäuser in Bombay, China, London. David hinterließ ungefähr 2 Millionen pfd. St. \873 wurde Albert Saffoon zum Ehrenbürger der City von London ernannt und im darauffolgenden Jahre von der Königin geadelt. Sir Albert ist jetzt 72 Jahre alt. Sein Sohn hat eine Tochter des Barons Gustav Rothschild in Paris geheiratet. An der Überreichung einer Bittschrift zu Gunsten der Juden Persiens an das Oberhaupt dieses Landes beteiligte sich Sir Albert neben Lord Rothschild, Sir Julian Goldsmid und anderen. In derselben wird der Anerkennung für die in den letzten Jahrzehnten vom Schah eingeleitete Verbesserung der Lage der persischen Juden die Bitte hinzugefügt, der Schah möge auch ferner bestrebt sein, Bedrückungen der letzteren zu verhindern. — In Neu-Porr wurde ein nach dem verstorbenen Sir M. Montefiore genanntes Heim für unheilbare Kranke eingeweiht. Herausgeber: Pastor w. Becker, Breslau, Brüderstraße 3k I. — Preis des Jahrgangs (^2 Nummern): 60 Pfennig. Aommissionsverlag und Druck von Carl Dülfer, Breslau, j)almstraße 5.

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