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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 9 (1889) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
9 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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67 gegen ihn, der mich nach meiner Meinung so grausam behandelte, alle Iugendlust und Fröhlichkeit aus meinem Leben hinweggenommen hatte. Ich meinte, es sei unmöglich, noch ferner zu leben. Ls schien, als habe Satan mich in seinen Besitz genommen. Ich fühlte keine Liebe zu meinen Rindern mehr. Ralt, tot ging ich dahin. Ich hegte nur den einen Wunsch, bei meinem geliebten Gatten zu sein. Manchen Tag brachte ich in tiefer Betrübnis an seinem Grabe zu, indem ich zu Gott flehte, er möge mich zu sich nehmen. Ja, ich ging — o schreckliche Verblendung! — so weit, mir das Leben nehmen zu wollen. Doch Gott erbarmte sich meiner, da ich noch ferne war, und gesellte mir teure Gefährtinnen zu, insonderheit eine, die ich niemals vergessen kann! Gott segne sie für ihre treuen Bemühungen, meine Gedanken in das rechte Fahrwasser zu lenken, auch dafür, daß sie mir den einen rechten Weg zeigte, auf dem allein ich meinen Gatten Wiedersehen kann! Der Wunsch, eine Thristin zu werden, wurde immer stärker. Alles zaghafte Wesen hatte ein Ende erreicht. Ich fühlte mich erlösungsbedürftig, elend und arm. Meine Seele dürstete nach Gott, dem .lebendigen Gott, und rief ihn an, er möge mir seinen Sohn offenbaren, ihn, der meines Gatten Trost und Erretter war. „So du mich suchest von ganzem Kerzen, so wirst du mich finden", ist eine Verheißung, deren Wahrheit auch ich erfahren durfte. Als ich eines Tages die alten, doch ewig neuen Geschichten las, war mir zu Mut, als flüsterte jemand hinter mir: „Er litt dieses alles für dich!" Diese köstliche Wahrheit durchzuckte mich wie ein Heller Blitz. In jenen erhebenden. Augenblicken, die ich nie in meinem Leben vergessen werde, hatte ich den König in seiner Schöne gesehen. Er brach mir das Herz, und ich sank zu seinen Füßen, doch über mir erscholl es so feierlich und so hehr, so wie das Säuseln, vor dem Elia sich das Haupt verhüllte: „Ich aber ging vor dir über und sähe dich in deinem Blute liegen und sprach zu dir, da du so in deinem Blute lägest: Du sollst leben. Ja, zu dir sprach ich, da du so in deinem Blute lägest: Du sollst leben." (Hesek. I6, 6.) Ich lief in mein Zimmer, warf mich auf die Rniee und schrie laut, diesmal nicht in Beklemmung und Sorgen, sondern aus großer Freude. Angethan war ich ja jetzt mit Kleidern des Heils, bekleidet mit dem Rock der Gerechtigkeit. M, diese Freude ist wohl die größte, die man in der Welt haben kann: gerettet, bewahret in den Armen Jesu zu ruhen. Worte fehlen mir, dieses Glück zu beschreiben. Nun ist er mein Stab und Licht, und ich darf sagen: „Das Leben, das ich nun im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich liebte und sich selbst für mich hingab." Drei Jahre sind ins Land gezogen, seitdem es Gott gefiel, mir seinen Sohn zu offenbaren, und obgleich Anfechtung und Versuchung mich oftmals zu überwinden drohten, hielt Jesus mich an seiner Hand, und ich überwand weit durch ihn. Am Grabe meines vollendeten Gatten habe ich oftmals gekniet, um zu danksagen dafür, daß Gott ihn mir genommen — o, nur für eine kurze Zeit! — und mich dagegen be-

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