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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 8 (1889) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
8 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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63 Pilatus, auch deine Meinung möchten wir hören. „Ich finde keine Schuld an ihm." Du, Judas, der du deinen Meister um Geld verkauft hast, du hast doch wohl schreckliche Klagen gegen ihn auf dem Kerzen? „Ich habe unschuldig - Blut vergossen." Und ihr, die Soldaten und der Hauptmann, was habt ihr wieder ihn auszusagen? „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen." Und ihr, die Teufel? „Lr ist der Sohn Gottes." Und nun, Johannesder Täufer, sag' uns, was du über Iesum denkst! „Siehe, das Lamm Gottes!" Du aber, Johannes, du Lieblingsjünger des HLrrn, der du an seiner Brust gelegen? „Er ist der glänzende Morgenstern." Petrus, was ist dein Bekenntnis? „Du bist Lhristus, der Sohn deslebendigen Gottes." Und du, Thomas? „Mein HLrr und mein Gott!" Paulus, du hast ihn verfolgt, was ist nun dein Zeugnis? „Ich habealles für Schaden geachtet, auf daß ich Christum gewinne." himmlische Heerscharen, redet auch ihr! Sagt uns eure Gedankenl „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Lhristus, der HLrr!" Und du, himmlischer Vater, der du alle Dinge weißt, sag' du uns noch, was er ist! „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." — Und jetzt, was ist Dein Urteil, lieber Leser? Dort Deiner Antwort auf die Frage: „was dünket euch von Christo?" hängt Dein heil ab. Gott schenke Dir in Herz und Mund die rechte- Antwort! (Christi, volksfreund.) Gin Manchen non Dp. Rosenzmeig. In den Brüllschen „Monatsblättern" (4889 S. 78 ff.) wird ein Vortrag von Dr. Adolf Rosenzweig über Flavins Iofephus veröffentlicht, in dessen Einleitung das Zeitalter dieses jüdischen Feldherrn und Schriftstellers folgende Charakteristik erfährt: „Morsch waren die Altäre der heidnischen Götterwelt geworden, und» mit Schaudern wandten sich bessere, tiefer angelegte Naturen von dem ab, was in Rom und Egypten als Religion galt; das offizielle Judentum aber war durchdie Zäune, die es um seine Lehre aufgeworfen hatte, zu exklusiv geworden, uin. die „Fülle der Heiden", wie der Geistesblick der Propheten es für die Ankunft geschaut, aufnehmen zu können — da trat Paulus auf, der griechische Jude, ein. Mann des Kompromisses, und bahnte durch die Verbindung des Judentums mit dem Heidentum das Christentum an, das, weil einem Kompromisse sein Dasein, dankend, etwa ein Jahrhundert lang völlig unbeachtet blieb." was Dr. Rosenzweig hier von der Entstehung des Christentums zu behaupten, wagt, ist eine Probe von der Leichtfertigkeit, mit welcher heutzutage oft von Iuden wie von Christen Vorträge gehalten und Bücher geschrieben werden- Dr. R. nennt seinen Vortrag einen „populär-wissenschaftlichen". Daß jene Aufstellungen „populär" oder volkstümlich, d. h. dem Sinne der großen gedankenun!> urteilslosen Masse gemäß seien, müssen wir zugeben, bestreiten aber dem herrn. Doktor das Recht, sie „wissenschaftlich" zu nennen. Seine Darstellung ist vielmehr- — ein Märchen. „Etwa ein Jahrhundert lang" soll das Christentum „völlig ..unbeachtet" geblieben sein. Da Paulus, der Schüler Gamaliels (Gamliels des Älteren, des Enkels von hillel), etwa jo Jahre nach seiner Unterwerfung unter den Messias Israels, d. h. ums Jahr 45 unserer Zeitrechnung, seine erste Missionsreise antra1> die ihn von Antiochien am Orontes nach Cypern und in das südliche Kleinafien. führte, so müßte die von Dr. R. behauptete Nichtbeachtung des Christentums bis zum Jahr ^5 gedauert haben, was lehrt dagegen die wirkliche Wissenschaft?'

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